Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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von ſich, ſah ſie an, und konnte ſich nicht ſatt an ihr ſehen, daß ſie denn in ſo kurzer Zeit gar ſo ſchön geworden ſei— freilich konnte ſie nicht ahnen, aus welch ſüßem knospendem Boden dieſe Schönheit ſo ſchnell aufgeſproßt war. Anna langte den mächtigen Blumenknäuel, den ſie im erſten Schreck weggeworfen hatte, aus dem Wagen, und drang ihn Thrinen auf.„Du mußt ihn zu Hauſe auflöſen,“ ſagte ſie;„denn die armen Stengel ſind von den Fäden faſt wund gedrückt, was ihnen ſehr ſchadet; dann mußt Du Alles geordnet in Deine Blumenbecher ſtellen.“

„Gott zum Gruße, Herr Schwiegervater,“ hatte Robert dem Schmiede zugerufen;„nach dem Gottesdienſte fahren wir Alle zuſammen in die luſtige Fichtau.“

„Schön Dank, Herr Sohn, ſchön Dank,“ entgegnete der Schmied, und indeſſen hatte ſich wieder Alles zur Weiterfahrt eingerichtet. Anna ſaß wieder bei Vater und Mutter, Thrine bei dem Gatten, und Heinrich fuhr bereits mit Boten⸗Simon ſo raſch den thalführenden Weg gegen Priglitz ab, daß deſſen Hutfedern flatterten und der Gemsbart ſauſte.

Man kam vor Robert's Hauſe an, wo immer die Wagen des Schmie⸗ des und Wirthes warten mußten; man ordnete ſich die Kleider, wechſelte einige Worte, und ging dann in die Kirche.

Nach dem Gottesdienſte war, wie gewöhnlich, bei Robert ein Glas Wein. Thrine und Anna liefen durch alle Zimmer und verweilten hauptſächlich in der hintern Stube bei Thrinen's kleinem Kinde.„Wie es gar ſo lieb und ſchön und unvernünftig iſt,“ ſagte Anna, indem ſie die kleinen unbewußten Züge des Kindes ſtreichelte. Der Schmied ſaß indeſſen vorne in der Prunkſtube im Ehrenſtuhle, Anna's Mutter bekam ſüßes Gebäcke, Erasmus machte beim Priglitzer Wirthe drüben ein Ge⸗ ſchäft ab, und die Freunde Heinrich und Robert beredeten ſich angelegent⸗ lich einige Minuten in einer Fenſtervertiefung, als ob ſie einen Plan in's Reine brächten. Dann traten ſie zu den Andern. Vater Erasmus kam auch. Thrine hatte ſich angekleidet, von dem Kinde Abſchied genommen — und nun fuhr Alles der grünen Fichtau zu.

Wir aber müſſen hier von derſelben ſcheiden, ſo gerne unſte Feder noch bei dem klaren, freien, heiteren Fichtauer Leben verweilen möchte. Allein der Zweck der vorliegenden Blätter führt uns aus dieſer harmloſen Gegenwart, die wir mit Vorliebe beſchrieben haben, einer dunklen ſchwermüthigen Vergangenheit entgegen, die uns hie und da von einer