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trage einen Anzug, den ſie ſich erfunden, weil ſie in demſelben am ſchön⸗ ſten ſei. Ohnedieß ſind die Fichtauer Trachten die maleriſchſten im gan⸗ zen Gebirge. Da ſie an Heinrich vorüberkam, überzog ein feines tiefes Roth ihre Wangen, und ihres Verſprechens eingedenk richtete ſie ihre ſchönen Augen voll treuherziger Liebe auf ihn, ſo daß Jeder, nur ihr Vater nicht, hätte erkennen müſſen, was hier walte, wenn ſie überhaupt Augen dafür gehabt hätten.
Der Naturforſcher nöthigte aus Gutherzigkeit den Boten⸗Simon zu ſich auf den Wagen, welcher aber nur ſehr zögernd und mißtrauiſch folgte und ſichtbar mit dem Plane umging, ſich der Zügel zu bemächti⸗ gen, ſobald ſich irgend etwas Verdächtiges ereigne— aber zum Erſtau⸗ nen des Wirthes und der Andern fuhr der Wanderer vor ihren Augen ſo geſchickt von der Gaſſe weg, und ſo raſch der Steinwand entlang, daß dem Vater Erasmus das Herz im Leibe lachte, wie er ſeinen Fuchs ſo taktſicher dahin tanzen ſah, und daß er ordentlich eine Hochachtung für ſeinen Gaſt zu faſſen begann. Zunächſt folgte er ſelber mit Annen und der Mutter, dann der Schmied und dann die Andern.
Als man den langen ſchmalen romantiſchen Gebirgsweg neben der Pernitz zurückgelegt hatte, und eben um den letzten Hügelkamm der Fichtau herumbog, wo dem Reiſenden plötzlich ein breites Thal, und der ſchlanke ſpitze Thurm von Priglitz entgegenſteigt, fuhr ein raſcher Wagen an ſie heran, in welchem der Stadtſchreiber mit ſeiner jungen Gattin ſaß, um die Kirchfahrer zu bewillkommen.
„Sei gegrüßt, Heinrich,“ hatte er geſagt,„Du theuerſter aller Vagabunden, ſei gegrüßt!“
„Gott grüße Dich, Robert,“ antwortete der Andere,„das iſt ein köſtliches Thal, dieſe Fichtau!“
„Habe ich es Dir nicht geſagt,“ entgegnete Robert,„habe ich es Dir nicht geſagt, als Du immer nicht kommen wollteſt?“
Sie hatten ſich aus den Wagen hinüber die Hände gereicht. In⸗ deſſen war aber Thrine von ihrem Sitze hinabgeſprungen und Anna auch von dem ihrigen, und ſie herzten ſich auf offener Straße, als wollten ſie ſich todt drücken, Thrine war in der That eine„ſchneeweiße“ Thrine; denn ihr Kleid trug ganz und gar untadelig dieſe Farbe, und das Frauen⸗ häubchen um das junge ſchöne Angeſicht war dem ſchneeigſten glänzend⸗ ſten Mittagswölkchen des Hochſommers vergleichbar. Sie drückte Annen


