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„Es iſt nur, Vater,“ ſagte Anna,„weil ich Thrinen einen recht vollen Strauß mit in die Stadt bringen will, weil ſie in dem großen, widerwärtigen ſteinernen Hauſe keine Blumen haben. Und wie man ſie in einen Strahß ordnet, daß es ſchön ſei, habe ich von unſerm Gaſte gelernt, der mehr von Blumen verſteht, als wir alle zuſammen im ganzen Fichtauer Thale. Es iſt auch ein wunderbares Leben in ihnen, hat er geſagt, und ich glaube es— und gewiß haben ſie noch recht liebe, kleine Seelen dazu. Er weiß ſchon, warum er ſich ſo mit ihnen abgibt.“
„Jan ja, ja, ja, Leben und Seelen und Katzen,“ erwiederte der Wirth,„ſieh nur zu, daß Du einmal mit Deinem Kirchenanzuge fertig wirſt; pünktlich nach einer halben Stunde wird abgefahren.“
Anna ging in's Haus, und nur dem feinen Ohre Heinrich's war ihr leichter Tritt auf der Treppe vernehmlich, wie ſie die Blumen auf ihr Zimmer trug.
Nach einer halben Stunde waren wirklich, wie vorausgeſagt, die ſchlanken glänzenden Füchſe des Fichtauer Wirthes jeder an ſeinen Wa⸗ gen geſpannt, aber auch die Weiber, wie voraus zu ſehen, nicht fertig. Erasmus ging in einem feinen, faſt ſtädtiſchen Sonntagsrocke unruhig hin und her. Boten⸗Simon hatte nach einem rieſenlangen Stocke gegrif⸗ fen, um ſeine Kirchenwanderung zu beginnen; denn der Schecke mußte an Sonntagen die herkömmliche Ruhe haben. Auch andere Wagen war⸗ teten noch ein wenig, um ſich dem Zuge anzuſchließen. Der Schmied ſaß im lächerlichen Putze da, und hatte eine flammend rothe Decke auf den Wagenſitz gebreitet, und auf das Geſchirre des Pferdes geſteckt, um den Stadtſchreiber würdig zu empfangen. Auch der Wanderer ſtand ſchon in ſeinem ſchönen Gewande da, daß er ordentlich, wie der vernünftigſte Menſch ausſah—— ſiehe, da erſchien endlich auch Anna und die Mutter auf der Gartentreppe herabſchreitend.
Die Mutter, eine ſehr ſchöne Frau mittlerer Jahre, mit Geſichts⸗ zügen, deren Ausdruck weit über ihrem Stande zu ſein ſchien, war in dem gewöhnlichen Sonntagsanzuge der wohlhabenden Gebirgsbewohner, obwohl Alles an ihr von beſſerem Stoffe und feinerem Schnitte war; denn Erasmus liebte es, die Früchte ſeiner guten Wirthſchaft an den Seinigen zu zeigen. Anna war gekleidet, wie die Mädchen des Thales, aber wie man fie ſo über die Gaſſe ſittſam dem Wagen zuſchreiten ſah, ſo hätte man geſchworen, ſie ſei aus einem ganz anderen Lande, und


