Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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— 279—

Luft wird heller— ich muß zurück in's Haus— haltet mich nicht auf— und lebt recht wohl.“

Er ſtand auch auf:„Nur noch eine Minute, Anna, noch eine Se⸗ kunde— nur dieſen Kuß—— ſo—— aber Du ſagſt ja ſchon wie⸗ der Ihr.“

„Nun: Du— ſo lebe wohl, lieber, theurer Mann, und komme doch recht bald, und ſage das Wort zum Vater.“

„Und die Tage, die ich bleibe— kommſt Du noch einmal zur Laube, Anna?“

„Nein, Heinrich, es iſt nicht recht; ich will Euch unter Tags in die⸗ ſer Zeit recht freundlich anblicken, wenn auch der Vater ſcheel ſiecht, aber kommen kann ich nicht mehr, es iſt doch nicht recht.—— Sagt nur bald das Wort, dann bin ich ja immer bei Euch, Tag und Nacht.“

Noch einmal, auf die Spitzen ihrer Zehen geſtelt, empfing ſie ſei⸗ nen Kuß.

„Lebe wohl,“ ſagte er,„Du innig ſüßes Herz— gute Nacht.“

„Gute Nacht,“ ſagte ſie, und verſchwand im Schatten des Laubes.

Er war allein.

Friſcher, gleichſam dem Morgen zu, rauſchten die Waſſer der Per⸗ nitz, und die Blätter der Zweige begannen, ſich in einem kurzen Nach⸗ mitternachtlüftchen zu rühren. Der Wanderer ging aber tiefer in den Garten zurück, ſchwang ſich über die Einfriedigung, und ſchritt über den mondhellen Wieſenhügel dem Walde zu, als ſei es ihm nicht möglich, in dieſem Augenblicke ſeine Schlafſtelle zu ſuchen. Die glänzende Nachtſtille blieb von nun an ungeſtört, und nichts rührte ſich, als unten die emſig rieſelnden Waſſer, und oben die Spitzen der flimmernden Sterne.

2. Das graue Schloß.

Es war ein Klingeln und Läuten und ein frendiges Brüllen und Meckern durcheinander, als am andern Tage die Morgenſonne aufging,