Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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hohen Nußberge erdurſtete— und von tauſend und tauſend andern Dingen, täglich etwas Neues und täglich das Alte.—— Denkt nur, als Ihr vor dreizehn Wochen zum erſten Male in unſer Haus tratet, hielt ich Euch im erſten Schreck ſelber für einen ſolchen Prinzen— weil Ihr ſo jung und mit ſo närriſchem Zeuge beladen waret—— und wie wir größer wurden, bekam ich vom Vater ſchöne Fabelbücher, und oben eine eigene Kammer mit ſchneeweißen Vorhängen und Simſen, und Tiſchen von ſchönem rothem Steine. Er verbot mir in die Schenkſtube zu kommen, und von der Stadt erſchien eine Frau, die uns die Fabel⸗ bücher leſen und ſelber ſchöne Dinge ſchreiben lehrte— nur leider iſt dieſe Frau zu früh geſtorben, und ließ uns nur einige Bücher zurück, die wir dann immer laſen,— ach, da ſtanden Euch Dinge darinnen, daß mir oft das Herz zerſpringen mochte vor lauter Schmerz und Sehn⸗ ſucht— und die alte Plumi kroch auch wieder aus ihrer Hinterſtube hervor, in die ſie ſich ſeit der Ankunft der fremden Frau verſteckt hatte, und erzählte wieder, und ging mit uns in's Gebirge, die einſamen, hei⸗ ßen Steinrieſen empor, Erdbeeren oder Haſelnüſſe ſuchend, oder Blumen, deren oft eine bei dieſem oder jenem Steine ſtand, ſo prachtvoll und wildfremd, daß Ihr erſchrocken wäret, Ihr habt vielleicht gar keine ſolche in Euren großen Blumenbüchern— und wenn wir tief genug in der Grahnswieſe zurückgingen, daß wir weder den Bach noch die Schmiede und Sägemühle hören konnten, und bei dem wilden Schlehenbuſche kauerten, und ſie nun erzählte, und immer tiefer hineinkam, und unter den grauen Haaren hervor die pechſchwarzen Augen in unſte Geſichter bohrte: da fuhr ich Euch oft entſetzt zuſammen, wenn ſich von der Wand daneben ein Steinchen löſ'te, und zu dem andern Gerölle niederfiel— und es hätte mich gar nicht gewundert, wenn die Krüppelföhren zu reden begonnen hätten, und der Fels ſich zu neigen, namentlich wenn gar zu⸗ weilen der ſchwache weinende Ton durch die Luft herüberſchnitt, da der alte, todte Graf Prokopus auf dem Sternenthurme muſicirte—— aber was wollte ich Euch denn eigentlich erzählen?“

„Wie es kam, daß Du mir ſo gut geworden biſt.“

„Ach, die arme Thrine mußte den Stadtſchreiber heirathen— ſie that es wohl gerne, und ging gerne mit, und die Plumi auch: aber ich war dann ſo arm, daß ich es Euch gar nicht beſchreiben kann——— und da kamet Ihr und habt mich mit ſo guten Augen angeſchaut, und Stifter. 4. Aufl. I. 18