Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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Ich trat wieder unter die Tanzenden— Alles— die herumfliegen⸗ den Geſtalten, die glühenden Wangen und ſtrahlenden Augen der Mäd⸗ chen, das Vergnügen der zuſehenden Mütter, ſelbſt die ſpielenden Herren — Alles nimmt nun in meiner Erinnerung eine rührende Geſtalt an. Ich werde den Grund angeben. Als ich nämlich ſattſam wie ein Irrſtern unter dieſen Wandelſternen herumgeſchweift war, ließ ich mich endlich häuslich nieder vor einer Rheinweinflaſche, die mir Aſton immer aus Vorliebe gibt, und rief einen Bekannten herzu, der ebenfalls ein Fremd⸗ ling in der Tanz⸗ und Spielwelt war. Wir geriethen in's Plaudern, während der Tanz draußen ſchleifte und ſchwirrte und rauſchte. Unſer Tiſch war gleichſam ein Landſitz außerhalb dieſes Stadtgewühls; denn er ſtand im Schreibſtübchen, das aber jetzt beleuchtet war. Im Zimmer daneben und im dritten, im Lampenzimmer, ſaßen hartnäckige Whiſt⸗ geſellen. Wir hatten bereits die zweite Flaſche angebrochen, und handel⸗ ten den Virgil ab, die mufikaliſchſte Muſe der Römer, als ſich Folgendes ergab. Mein Rachbar pries ſeine Zartheit in der ſinnlichen Malerei, in der er faſt an die Griechen reiche, und ſagte die Stelle als Beleg:

Tempus erat, quo prima quies mortalibus aegris Incipit et et

Aber weder er, noch ich wußten den ſchönen Vers zu Ende— da ſprach unglaublich ſanft eine weibliche Stimme hinter mir:

et dono divum gratissima serpit.

Ich ſah neugierig um und— lege den größten Maßſtab an mein Erſchrecken— dicht hinter meiner Stuhllehne an der Seite Luciens, von unſerer Lampe ſcharf beleuchtet, ſchwebt das Geſicht aus dem Paradies⸗ garten— dasſelbe edle, ſanfte, unbeſchreiblich ſchöne Angeſicht in der erſten Blüthe der Jugend, dieſelben Augen, zwei Sonnenräder, nur dar⸗ über dämmernd die langen feinen Wimpern, wie Mondesſtrahlen. Ich war aufgeſprungen und ſtarrte ſie thöricht an, während ſie mit tiefem Purpur übergoſſen wurde.

„So ſchlagen Sie mich überall aus dem Felde, ſchöne Feindin,“ ſagte mein Nachbar, der auch aufgeſtanden war und ſich artig lächelnd ver⸗ beugte;„auch im Virgil ſind Sie mir überlegen.“

„Hier führe ich Ihnen,“ ſprach Lucie,„meine liebſte Freundin auf, die längſt verſprochene Angela“— und dann zu ihr gewendet—„dieß iſt der beſcheidene Maler der Umgebungen Wiens.“