Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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ſende, deren Grüße, Fragen, Anreden, Gutenachtwünſche u. ſ. w. mir unangenehm waren. Der letzte Ton war verhallt, und ſogleich ging draußen ein Brauſen an und ein Seſſelrücken, und ein leidiges Tanzen begann. Im Lampenzimmer wurden gar Spieltiſche geſtellt, und bis zu mir herein drangen die Streifenden. Sofort hob für mich die Langeweile an. Emma, die jüngere Tochter Aſton's, wollte, ich ſolle tanzen. Ich erwiederte, daß ich nicht ſtarker Geiſt genug ſei zu ſolchen Uebergängen, wie unſer Jungfrauengeſchlecht, das dicht an Beethoven das Tanzen nicht verachte.„Doch iſt Jemand aus dem Geſchlechte ſo ſtark,“ ſagte Emma lächelnd,„und ſogar zwei ſind es. Lucie und ihre altrömiſche Freundin, die Sie heute werden kennen lernen,— der weibliche Cato von Utika— oder von wo— ſie ſind ſogar in den Garten hinabgegangen. Uebrigens,“ fügte ſie bei,„mir hat die Simphonie ſehr gut gefallen; aber jetzt ge⸗ fallen mir ſämmtliche Tänzer auch, und ich kann mit meiner Empfindung nicht ſo breit thun, wie mit einem ſteifſeidenen Gewande, und wie die Andern, und ſo ade, Herr Ariſtoteles.“ Sie knirte ernſthaft und ſchwebte künſtlich zwiſchen all den Klippen der Spieltiſche, wie ein leichtes Fahr⸗ zeug, hinaus in die wogende See des Tanzſaales.

Nach dem Garten hätte ich wohl auch ein Gelüſte getragen, aber ich mußte es nun aufgeben, um die zwei Freundinnen nicht zu ſtören, die ihn wahrſcheinlich ſür ganz unbeſucht hielten. Ich trat daher, wie ge⸗ wöhnlich, Reiſen durch alle Zimmer und durch die Gruppen darin an, und als ich im Bedientenzimmer die Pulte und Reſte der Simphonie, wie ein kahles Feuerwerksgerüſte, antraf, hatte ich eine Art Schmerz⸗ empfindung, wie bei dem Anblicke eines abgebrannten Hauſes. Auf dem Rückwege gerieth ich zwiſchen die Wimpel und Fahnen mehrerer Putz⸗ hauben, die zuſammenſtaken und verleumdeten.

„Beide,“ hörte ich ſie ſagen,„ſind im Garten, und ſie macht die Lucie noch zu derſelben unnatürlichen Figur, wie ſie ſelbſten iſt.— Gott genade dem Manne, der eine ſolche verſchrobene....“ Mehr hörte und wollte ich nicht hören.

Arme Angela, dieß iſt nun ſeit einer kleinen halben Stunde ſchon die zweite harte Aeußerung über Dich— noch dazu an Deinem Namens⸗ tage— ſo dachte ich und nahm mir vor, ſobald ſie heraufkäme, ſie mir zeigen zu laſſen, und ſie gerade recht mit Auszeichnung zu behandeln, namentlich auch um die Putzhauben zu ärgern.