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meiner Augen, und wenn ich ſie beide ſchließe, ſo ſehe ich es noch immer vor mir ſchweben. Ich kann nicht ſagen, daß ich ſie liebe; denn man liebt ja nur was man kennt— und doch iſt's, als wäre ſie vor ungezähl⸗ ten Jahren in einem andern Sterne meine Gattin geweſen.
Sind das Wechſelſeitigkeiten der Geiſter, ſind es Seelenwahlver⸗ wandtſchaften? Iſt es gänzliche Narrheit?
O Titus, Titus! da gehe ich in meinem Zimmer auf und ab, drau⸗ ßen am Himmel liegt eine ſchwere warme Wolkennacht, ganz ruhig, ganz ruhig—— und ich herinnen bin ein heftiger, ſchwärmeriſcher Thor und trage mich ſelber in ein immer heißeres Gefühl hinein.
Ich mag nun Aſton's verſprochene Angela gar nicht einmal ſehen und werde auch gar nicht hingehen— mir ekelt vor den ſogenannten Schönheiten. Warum ich mich um ſie gar nicht weiter erkundigte?— ich weiß es nicht— aber es ſchien mir ſo unweſentlich und nicht zu mei⸗ ner Empfindung gehörig, daß ich auf den Gedanken nicht verfiel, und jetzt mache ich mir doch Vorwürfe, daß ich es nicht that. Du wirſt wohl lächeln, daß ich wieder einmal außer mir bin; aber ſiehe, es iſt herrlich um ein ſchwärmendes, hochwallendes Herz— es ſind das Augenblicke, in denen wir uns ohne Vorwurf lieben dürfen— auch die Nacht ſtimmt zu der Feier. Ich habe den Schreibtiſch an das Fenſter gerückt und das⸗ ſelbe geöffnet, und ſternenlos ſchaut ſie zu mir herein; aber ſelbſt ſo iſt ſie großartig, beſonders wenn, wie eben, am Himmel geheime Rüſtung iſt. Es ſchlägt zwölf Uhr, kein Lüftchen geht, die Lenznacht wird immer ſtiller und wärmer, immer ſeltner kommt an's Ohr das ſchwache Rollen verſpäteter Wagen aus mancher träumenden Gaſſe, und am Rande des Geſichtskreiſes lechzen die Erſtlingsblitze wie flüchtige Küſſe der Mit⸗ ternacht.
Ich war an's Fenſter getreten.
Du große, weite, dämmervolle Stadt unter mir, ruhe wohl— auch ihr Herz, ein lebender, klopfender, fühlender Punkt unter den andern tauſenden, pocht ſchlummernd in einem Deiner Häuſer. Ueber all die Dome und Paläſte und Thürme breitet ſich ſtumm und elektriſch der Ge⸗ witterhimmel, und brütet Fruchtbarkeit. In den Wohnungen der Men⸗ ſchen gehen die Träume aus und ein und die Nacht fördert ihr Werk. Erſt hatte ſie über alle Dächer ſanft das große Tuch des Schlummers ausgebreitet, und als ſie Alles zur Ruhe gebracht, und das Schweigen


