Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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fam, dann lößte ſie hoch über den Lagern der begrabenen Menſchen von ihrer erhabenen Trauerfahne ſachte eine Falte nach der andern, und ließ dieſelbe endlich ſchwer und breit vom Himmel niederhängen.

Ich ſah noch lange zum Fenſter hinaus, und es ergriff mich, daß nun nicht ein Laut ertönte in dieſem Vulkane menſchlichen Treibens— ſelbſt die Luft ſtand unbeweglich ſtill. Endlich ſchlug es Ein Uhr Mor⸗ gens, und es war, als hätte dieſer eine Klang die hängende Lavine ge⸗ löſt; denn gleich nach dem Glockenſchlage wallte ſchlafttunken durch den ganzen Himmelſchleier, das erſte tiefe, ſchwache Donnern, wie ein Traum⸗ reden der ſchlummernden Frühlingsnacht.

So ruhet wohl, alle Menſchenherzen— und auch du, unbekanntes Herz in deinem ſchönen Buſen, ſchlummre wohl— und auch du, des fernen lieben Reiſenden, ſchlummre wohl!

6. Wieſenhockshart.

12. Mai 1834

Die Nacht iſt vorübergegangen und hat Mancherlei geändert. Vom Himmel hat ſie die Perlen der Fruchtbarkeit herabgeſchüttet und ihn gänzlich rein gefegt, daß er mit dem klaren ſrühen Morgengelb zu mir hereinſieht— die Schornſteine und naſſen Dächer ſchneiden ſich ſcharf gegen ihn, und die kühle Luft regt die Nachbarzweige und ſtrömt zu mei⸗ nem offen gebliebenen Fenſter herein.— Ich ſchreibe noch im Bette.

Was iſt es nun mit dem Menſchen, wenn er heute dieſer iſt und morgen jener? Auch mein Herz, wie der Himmel iſt friſch und kühl, und ſucht ſich auf geſtern zu beſinnen. Was iſt's nun weiter?

Hat die Flaſche Rüdesheimer, die ich geſtern zu meinen Nachteinbil⸗ dungen getrunken, die Seele ſo voll Sehnſucht angeſchwellt— und iſt ſie heute leer, ſo wie die Flaſche, die dort ſo weſenlos auf dem Tiſche ſteht, daß das Morgenlicht hindurch ſcheint?