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meine Fenſter ſcheint; in dieſer gehobenen Stimmung iſt an keinen Schlaf zu denken. Und ſollte ich thöricht und lächerlich im höchſten Grade ſein,— Titus, Dir muß mein Herz offen liegen— aber es iſt geſchwellt, ſchwärmend und genugſam verrückt. Ich ſpielte und ſcherzte in Haimbach mit gewiſſen Wünſchen und Verhältniſſen, und der Himmel ſtrafte mich mit einer verkehrten Gewährung. Höre nur. Ich weiß nicht, ob damals, als wir beide zugleich in Wien waren, in der Mitte des Paradiesgartens ein ſchwarzer erhabner Spiegel auf einem Unter⸗ ſatze angebracht war— den Garten kennſt Du— kurz, jetzt iſt ein ſol⸗ cher Spiegel da und ein Theil der Stadt, die grünen Bäume und der Roſenplatz vor derſelben und der Ring der Vorſtädte ſteht in niedlicher Kleinheit darinnen durch die Schwärze des Spiegels in einer Art Däm⸗ merungsdüſter ſchwimmend. An dieſem Spiegel ſtand, als mich heute Mittags, wo faſt gar keine Menſchen in dem Garten ſind, meine ge⸗ wöhnliche Frühlingsſpazierſucht vorbeiführte, ein Weib, durch ihren Bau, den ich nur von rückwärts ſah, große Schönheit verſprechend, und ſah hinein. Ich blieb ſtehen und zeichnete mit den Augen die wirklich aus⸗ nehmend ſchöne Geſtalt— deßhalb war ich feſt entſchloſſen, auch ihr Angeſicht zu ſehen. Ich ſtellte mich ruhig hinter ſie, um ihr Weggehen zu erwarten; denn mich ihr gegenüber zu ſtellen, war ich nicht dreiſt genug.
Als ſie immer und immer ſtehen blieb, malte ich im Gedanken die lächerliche Gruppe, die wir bildeten, und hierdurch kam mir der Muth, ſie zum Umnſehen zu zwingen, nämlich ich ſagte plötzlich:„Eine wahre Unterweltbeleuchtung ſchwebt über dieſem kleinen Nachbilde.“ Sie ſah auch um— und ich prallte faſt zurück.——— Von meiner Kindheit an war immer etwas in mir, wie eine ſchwermüthig ſchöne Dichtung, dunkel und halbbewußt, in Schönheitsträumen ſich abmühend— oder ſoll ich es anders nennen, ein ungeborner Engel, ein unhebbarer Schatz, den ſelbet die Muſik nicht hob—— in dieſem Augenblicke hatte ich das Ding zwei Spannen breit meinen Augen ſichtbar gegenüber.—
War ſie ſo unermeßlich ſchön?
Ich weiß es nicht, aber es war mir wie einem Menſchen, der in dunkler Nacht wandert in vermeintlich unbekannter Gegend— auf ein⸗ mal geſchieht ein Blitz— und ſiehe, wunderbar vergoldet ſteht ſein Va⸗ terhaus und ſeine Kindesfluren vor den Augen.


