Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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Fräulein recht gut Platz gehabt haben, und aus dem Fenſter der Gaſt⸗ ſtube hätten wir es recht leicht abmalen können, wie ſie an dem weißen Tiſche mitten auf der Wieſe frühſtückten und ſcherzten. Sie wundere ſich nur, daß heute, als am erſten Mai, Jemand da herausgekommen ſei, da ja Alles bei dem Frühlingsfeſte im Prater ſein werde. Wir lachten und ſagten, daß es uns ſelber hinreichend freuen würde, wenn wir die zwei Engel conterfeien könnten.„Wer weiß es,“ verſetzte die Wirthin;„Berg und Thal kommen nicht zuſammen, aber die Men⸗ ſchen.“

„Ja wohl,“ lachte Lothar,„wir wollen ſogar zuverſichtlich hoffen, daß gerade dieſe zwei Engel, welche am erſten Mai anno domini 1834 in Haimbach frühſtückten, dereinſt noch unſte Frauen werden, und wie⸗ der eines ſchönen Tages in unſter Geſellſchaft frühſtücken werden. Was meinen Sie dazu, Herr College!“

„Topp,“ rief ich;„aber mir muß die Unverſchleierte bleiben.“

„Die andere iſt noch ſchöner,“ rief die Wirthin.

Ich meinte, das ſei nicht möglich, und halte mich an das Gewiſſe.

„Gut,“ ſagte Lothar,„von heute binnnen drei Jahren, Frau Wir⸗ thin, rüſten Sie ein wackeres Frühſtück und Mittagsmahl; denn wir werden den ganzen Tag mit den zwei Engeln, unſern lieben rechtſchaffe⸗ nen Ehefrauen, in Haimbach zubringen. Ich nehme in Gottes Namen die Verſchleierte, da ich keine von beiden von Angeſicht kenne, und mich ganz auf den Geſchmack unſerer Frau Wirthin verlaſſe.“

„Und ich dagegen,“ fiel ich ein,„will dieſe beſagte Frau Wirthin zum Andenken an dieſen Tag recht ſauber auf ſchneeweißes Papier ma⸗ len, und in einem ſchmucken Goldrahmen mitbringen.“

Ei, das wäre für ſie alte Frau viel zu viel Ehre, vermeinte ſie, übrigens könnte ich ſo etwas leicht verſprechen, ohne deswegen mein Farbenzeug aufmachen zu dürfen, da zwei ſolche luſtige Herren gewiß ohne dieß ſchon jeder eine Fräulein Liebſte in der Stadt haben würden, die ſchon unter den ſchönen Geſichtern des Buches ſein werde.

Wir ſahen uns beide an, und lachten: denn wahrhaftig, keiner hatte nicht im Geringſten ein derlei Weſen aufzuweiſen.— Uebrigens fingen wir zwei dann ſelber an, die Sache weiter auszumalen und dich⸗ teten den zwei Huldinnen eine unausſprechliche Sehnſucht nach uns an,