Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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den ich unlängſt erwarb, Anſelm Ruffo, ſagte, ich ſei auch ein großer, aber unſchädlicher, d. h. für Andere, mir ſelber aber beſtändig im Lichte. Es kann ſein, und wenn Du eine ſtichhaltige Beſchreibung eines Narren auftreibſt, ſo ſende ſie ſchleunigſt; dann läßt ſich die Sache eher ent⸗ ſcheiden— bisher wußte ich keine. Bleibe fürerſt nur der liebe, gute, reue und ſchönheitsbegeiſterte Narr, als welchen ich Dich kenne, und ich will Dich einige Millionenmal mehr lieben, als die andern geſcheidten Leute. Sende fleißig Pyrenäentage und zürne nicht, wenn Dir unſer Lyoner Spediteur von mir ein Päckchen ſendet, in denen nicht jeder Tag ein Geſicht zeigt— es hat eben nicht jeder eines.

Diſſon war während der Zeit wieder bei mir, und wir gefielen uns ſo, daß wir nicht nur volle drei Stunden verplauderten, ſondern auf den erſten Mai, falls es meine Geſundheit zuläßt, einen Spaziergang von einem ganzen Tage verabredeten. ²

Ich habe richtig jenes Mädchen in der Annenkirche wieder geſehen; ſie geht täglich um zehn Uhr dahin in Begleitung einer alten Frau, die ich für ihre Mutter halte. Du würdeſt Dich wundern; ganz eigen iſt der ruhige, große, fromme Blick der blauen Augen.

Sie wäre, wie ich Anfangs ſcherzte, in der That ein antikes Mo⸗ dell. Als ich ſie der Gaſſe entlang ſchreiten ſah, und ihr nachblickte, dachte ich: ſo müßte ein altgriechiſches Marmorbild ausgeſehen haben, das wandeln könnte und Augen gehabt hätte. Da kamen mir allerlei Spintiſirungen über ſie: ich möchte ſie einmal beten ſehen; aber nicht in der Kirche, wo ſie die Augen mit den Wimpern kalt verhüllt, ſondern wenn ſie in ihrem Zimmer einſam Gott dankt oder um Abwendung eines entſetzlichen Wehes bittet;— oder ich möchte ſie in Liebesſreude ſchwär⸗ men ſehen oder im Schmerze das Auge aufſchlagen— oder tanzen— oder eine Gebirgspartie machen— lachen— ihren Vogel koſen— eine kleine Schweſter belehren; oder wenn ſie Thee bietet; wenn ihr etwas ſehr komiſch erſcheint— und ſo weiter— und ſo weiter.

Aſton will Bilder aus Wiens Umgebungen von mir, und findet ſie immer ſehr ſchön, wenn ich ihm auch noch ſo ſehr(nach meiner alten Untugend, wie Du ſie nennſt) die Fehler darin aufdecke—— aber ſiehe, Titus, ich muß es ja thun, ſonſt meinen fürwahr die Leute, ich ſehe die Fehler nicht ein und wolle mich nicht beſſern—— alſo er findet die Bilder immer ſchön, und wir ſind in voller Arbeit— ich mit Malen und

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