Sie waren mittlerweile an das Fenſter getreten, und ſo ſehr jedes innerlich ſprach, ſo ſtumm, und ſo befangener wurden ſie äußerlich.
Es iſt ſeltſam, wie das Gemüth in ſeiner Unſchuld iſt: wenn der erſte Wonneſturz der erſten Liebe auf dasſelbe fällt, und nun vorüber iſt, — ſo iſt der erſte Eindruck der, zu fliehen, ſelbſt vor der Geliebten zu fliehen, um die ſtumme Uebermacht in's Einſame zu tragen.
So ſtanden auch die Beiden an dem Fenſter, ſo nahe aneinander, und doch ſo fern. Da trat die Amme ein, und gab Beide ſich ſelbſt wie⸗ der. Er vermochte es, von ſeiner Reiſe und von ſeinen Planen zu ſpre⸗ chen und als die Amme ſagte, er möge doch auch ſchreiben, und die Ge⸗ birge und Wälder und Quellen ſo ſchön beſchreiben, wie er oft auf Spa⸗ ziergängen gethan habe,— da ſtreifte ſein Blick ſcheu auf Cornelia, und er ſah, wie ſie erröthete.
Als endlich die Amme wieder abgerufen wurde, nahm auch er ſachte ſeinen Hut, und ſagte:„Cornelia, leben Sie wohl!“
„Reiſen Sie recht glücklich,“ antwortete ſie, und ſetzte hinzu: „Schreiben Sie einmal.“
Sie hatte nicht mehr den Muth, nur noch mit einem Worte die ver⸗ gangene Scene zu berühren. Sie getraute ſich nicht zu bitten, daß er die Reiſe auſſchiebe, und er nicht zu ſagen, daß er lieber hier bliebe, und ſo gingen ſie auseinander, nur daß er unter der Thür noch einmal um⸗ blickte, und die liebe theure Geſtalt ſchamvoll neben den Blumen ſtehen ſah.
Als er aber draußen war, eilte ſie raſch vor ihr Marienbild, ſank vor demſelben auf die Kniee, und ſagte:„Mutter der Gnaden, Mutter der Waiſen, höre mein Gelübde; ein demüthig ſchlechtes Blümchen will ich hinfort ſein und bleiben, das er mit Freuden an ſein ſchönes Künſtler⸗ herz ſtecke, damit er dann wiſſe, wie unſäglich ich ihn liebe und ewig lie⸗ ben werde.“
Und wieder floſſen ihre Thränen, aber es waren linde, warme und ſelige.
So trennten ſich zum erſtenmal zwei Menſchen, die ſich gefunden. Wer weiß es, was die Zukunft bringen wird? Beide ſind ſie unſchul⸗ dige, überraſchte Herzen, Beider glühendſter, einzigſter Entſchluß iſt es, das Aeußerſte zu wagen, um nur einander werth zu ſein, um nur ſich zu beſiten, immerfort in Ewigkeit und Ewigkeit.


