Teil eines Werkes 
1. Band (1855)
Entstehung
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2. Lagſtück.

Der junge Mann, aus deſſen Tagebuche das Vorſtehende wörtlich genommen wurde, war ein angehender Künſtler, ein Maler, noch nicht völlig zwei und zwanzig Jahre alt, aber ſeinem Anſehen nach hätte man ihm kaum achtzehn gegeben. Aus einer Fülle blonder Haare, die er noch faſt knabenhaft in Locken trug, ſah ein unbeſchreiblich treuherziges Geſicht heraus, weiß und roth, voll Geſundheit, geziert mit den Erſt⸗ lingen eines Bartes, den er ſehr liebte, und der kindiſch trotzig auf der Oberlippe ſaß, zwei dunkelblaue ſchwärmeriſche Augen unter einer ruhigen Stirn, auf der noch alle Unſchuld ſeiner Kindheit wohnte. Wirklich hatte er auch aus der Einſamkeit des Waldlandes, in dem er erzogen wurde, alle Herzenseinfalt ſeines Thales und ſo viel Wiſſen, als bei ſeinen Jahren überhaupt möglich iſt, in die große laſterhafte Stadt gebracht.

Und ſo ſaß er früh nach jener ihm merkwürdigen Nacht, die er oben beſchrieb, auf ſeiner Dachſtube, die nach und nach voll warmen Mor⸗ genlichts anquoll, rückgelehnt auf die hohe Lehne eines tuchenen, altmo⸗ diſchen Seſſels, des unzählige gelbe Nägel im Frühlichte einen gleißen⸗ den Sternenbogen um ihn ſpannten. Die Hände ruhten in dem Schooße, und die Augen ſchauten auf die leere Leinwand, die vor ihm auf der Staffelei ſtand, aber ſie ſannen nicht auf Bilder, ſondern in ihrem tie⸗ fen, ſchwermüthigen Feuer ſtand der Anfang einer Leidenſchaft, die düſter⸗ſelig in dem Herzen anbrannte, und trotzig⸗ſchön in das kindliche Antlitz trat auf dem unbeſchriebenen Blatte die erſten Lettern der großen Stadt, der Titel, daß nun ein heißes Leben beginne, voll Selig⸗ keit und Unruhe, aber fernabliegend von der friedlichen Inſel ſeiner Kindheit.

Die Liebe iſt ein ſchöner Engel, aber oft ein ſchöner Todesengel für das gläubige, betrogne Herz!

Sein Nachtgenoſſe, Hinze, der Kater ſeiner Miethsfrau, lag auf dem breiten Fenſterſimſe, und ſchlief in den Strahlen der Morgenſonne. Nicht weit davon auf der Zeichnung eines Cherubs lag das Fernrohr.