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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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aber die Burgel auch verweinte Augen. Nachher ſind wir in die Kirche nach Erlbach und da habe ich die Grabtafel wieder geſehen, die noch ganz ſchön iſt wie neu. Und der Pfarrer von Erlbach, das iſt einer von den alten Herren, die ſich nicht mehr in den neuen Hochmuth hineinreißen laſſen, der hat uns in den Pfarrhof gerufen, wie wir auf dem Heim⸗ wege vorüberkamen und ſagt, daß die Burgel allzeit ſo brav geweſen iſt in der Schule und in der Kirche und daß er gar nicht wüßt, zu was der Grünauer Vikar ſie ſo martern thät. Und einen ganz ſchönen Zuſpruch hat er ihr gemacht; das hat ſie recht aufgerichtet.

Und daheim, nämlich auf dem Hof, ſetzen wir uns in die große Stube, wo man die ſchöne Ausſicht hat, und wo das ſchöne Bild hängt, von dem ich Dir ſchon geſchrieben habe. Da war ein Tag ſo klar und hell und ſo warmes, liebliches Sommerwetter und die Felder und die Wälder, die Dörfer und die Schlöſſer ſind ſo freundlich dagelegen, daß es eine Pracht war und der Sonnenglanz hat ſo ſchön geflimmert, daß ich es Dir leider nicht beſchreiben kann. Da macht die Burgel das große Fenſter auf und ſagt: Ach wär doch das Land ſo ſchön, wenn die Leute nicht ſo feindſelig wären!

Und ſo ſind wir mit einander auf die Laube hinaus und haben uns faſt verwundert über die Herrlichkeit und die Burgel nimmt ſich einen Stuhl und will gar nicht mehr weg. Der Bruder aber gibt mir ein Zeichen und wir gehen miteinander wieder in die große Stube.

So, jetzt können wir noch ein Wort miteinander reden,

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