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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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ſagt er, und Du darfſt zufrieden ſeyn, Hanſel, was das Madel gut von Dir ſpricht, aber die Geſchichte geht ihr entſetzlich zu Herzen und die verweinten Augen bringſt ihr nicht mehr aus dem Geſichte. Das hat ſie freilich daheroben nicht gewohnt, daß ſie ſo mit Schand' und Spott aus der Kirch ſoll gehen, und das wurmt mich und kommt mir immer wieder friſch, daß man ſo ein gutes unſchuldiges Madel ſoll ſo verſchimpfen laſſen müſſen. Und Dein' Sach gefallt mir auch nicht ganz und ich fürcht, es könnt leicht was Schlimmers kommen vom Landgericht als Du meinſt. Und neulich bin ich auch darinnen geweſen wegen der Vormundſchaft über die Schweſter. Da ſind ſie wieder ſo grob geweſen, bis ich noch gröber geworden bin, denn in's Geſicht ſpeien laſſe ich mir nicht vom Aſſeſſor. Aber wenn die Hetzerei einmal angeht mit dem Gericht, dann gehts Dein Lebtag nicht mehr aus. Da haſt Nichts als. Gänge und Zeitverſäumniß, Plagerei und Koſten. Da kannſt heut hineingehen fünf ſechs Stunden weit und ſie ſchicken Dich wieder heim und ſchauen zum Fenſter hinaus, als wenn's keine Zeit hätten. Und geben thut man ihnen oft nicht ſo viel, daß ſie leben könnten und ſo muß halt der Bauer ſelber ſeine milde Hand aufthun. Sonſt kannſt jeweil gar nichts ausrichten und Du weißt, warum es oft den braven Leuten ſo ſchlecht gegangen iſt und warum jetzt der Metzgerwaſtel von Audorf die ganze Gemeinde regiert, und warum keiner mehr angehört wird, der ſich über ihn beklagen will. Und wenn die Spitzbuben die Gewalt haben, nachher weißt ſchon, wie es den ehrlichen Leuten geht. Und dann, wo Du hinkommſt