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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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Und wie ich Abends nach Hauſe komme, ſo war die Burgel im Garten draußen und ſitzt unter dem großen Nuß⸗ baum, hat auch die Cither auf dem Knie, ſpielt aber nicht. Ja ganz verſunken war ſie in Gedanken und hält ſich mit den Händen die Augen zu, als wenn ſie nichts mehr ſehen wollte von der Welt.

Wie ich ihr aber zuruf: Mädel, es iſt ſchon geholfen ſo ſpringt ſie auf und jauchzt und halst mich und iſt voller Seligkeit und ganz wie auseinander. Aber das habe ich gleich gemerkt, daß ſie nebenbei ganz ſchwermüthig iſt und denke mir, ſie wird ſchon ſelber reden, ſie hat aber wenig geſagt. Und ſo ſitzen wir zuſammen unter dem Nußbaum und ſie hält mich immer im Arm, ganz trübſelig und ganz heiß. Und wie ich ihr die Geſchicht erzählt habe, wie es in der Stadt ge⸗ gangen, ſo ſag ich zuletzt: Aber Burgel, Du biſt heut nicht wie ſonſt; Dir muß etwas geſchehen ſeyn, was Dir nicht recht iſt. Auf Dieſes aber fangt ſie zu weinen an, daß die Zähren herunterſchießen wie ein Mühlbach und man meinte, es müſſe ihr das Herz abſtoßen.

Item es hat aber Alles ſeine Zeit und die Burgel iſt zuletzt doch wieder gefaßt worden und hat mir erzählt, daß ſie ſich tüchtig gefreut, wie der Zennſenſeppel die Botſchaft ge⸗ bracht, daß noch nicht Alles verloren ſeyo. Und in der Früh, das heißt an dem Sonntag, wo ich heimgekommen bin, da geht ſie in die Kirche.Bin ſchon ganz früh gegangen, ſagt ſie,leicht eine Stund vor dem Amt und hab alleweil gebetet, daß es Dir recht gut gehen möchte und iſt mir alleweil