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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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von Grünau, der ihnen doch ſeiner Lebtage nichts zu Leide gethan. Der Praktikant aber nimmt ein paar Bogen Papier her und ſagt ganz kurz und voller Eile:

Nun, ſo viel iſt ausgemacht, daß Er den Vikar einen Lügner geſchimpft hat oder will Er's etwa läugnen?

Nein, ſag ich,das läugn' ich nicht, aber und da hätte ich ihm gern die ganze Sache erzählt, wie ſie ſich zuge⸗ tragen und wie ich's mir auf dem Weg her ausgedacht und zuſammengeſtellt und repetirt hatte. Da war aber nicht zu helfen, denn der Praktikant ſchreit:Was Aber! Glaubt Er, daß man ſeine Zeit mit Ihm verliert, wenn ſo viele ordentliche Unterthanen auf Abfertigung warten? Da! das Protokoll hab ich ſchon ſchreiben laſſen,'s braucht nur die Unterſchrift.

Ich nehm die Feder in die Hand und ſchau in das Pro⸗ tokoll, weiß aber nimmer recht was drinnen geſtanden iſt. Und wie ichs unterſchrieben habe, ſo denk ich mir, es muß halt doch heraus und fang wieder an. Der Praktikant aber ſchreit ganz zornig:

Er Simpel, wenn Er was weiß zu ſeiner Entſchuldi⸗ gung, ſo hätt' Ers vorher ſagen ſollen. Jetzt iſt das Er⸗ kenntniß ſchon gemacht. Drei Tage geſchärften Arreſt und die Koſten hat Er ſelbſt zu tragen. Das kann Er auch gleich unterſchreiben.

Wie nun das auch vorbei war, da kommt mir zum drittenmal die Hitz und die Rechtſchaffenheit und ich ſage: Jetzt, Herr Praktikant, denken Sie an Ihr letztes Ende und an die Hölle und an das Himmelreich und geben Sie mir