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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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G

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angeſprochen, weil ſie doch die Namenspatronin iſt von meiner Frau.

Und in der andern Woche gehe ich wieder übers Gebirg nach Haus und da kommt mir die Burgel ganz freundlich und gefaßt entgegen und gibt mir einen Zettel, der mich in's Land⸗ gericht ladet und ſagt:Ich hab' mich jetzt genug zergrämt über dieſe Geſchichte ſey ſtandhaft, lieber Hanſi, wer weiß wie's geht.

Und am andern Morgen mache ich mich auf zum Land⸗ gericht und daſelbſt geh ich im Gang auf und ab und wie es meine Stunde ſchlägt, geh ich hinein in die große Stube, die voller Bauern war. Wie aber der Praktikant mich ſieht, ſo fahrt er auf und ſagt recht ſpaßig und heiter:Aha, der ganzen Figur nach iſt Er der Bauernmaler von Grünau? und wie ich darauf mit dem Kopf beſcheiden nicke, ſo lacht er wie närriſch und ſagt zu den andern Schreibern in der Stube:

He Leut, aufgepaßt! das iſt der weltberühmte Raphael von Grünau, der den Vikari dutzt und die geiſtlichen Herren . ſo herſchimpft! Siſt gewiß der Mühe werth, daß man ſich den Kameraden anſchaut! der gehört auf den Jahrmarkt, wo man die Affen um einen Groſchen zeigt.

Und auf dies fangen alle, der Oberſchreiber, der große Lump, und die fünf andern Schreiber und im Nebenzimmer der Aſſeſſor und die zwei Gerichtsdiener und der Gensdarm am Ofen, die fangen alle hellauf zu lachen an. O mein, da haſt nicht irr werden können, daß ſchon Alles verabredet war, und daß ſie ſich ſchon gefreut haben auf den armen Bauernmaler