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Du einen ſo guten Tropfen im Keller und eine ſo ſchöne Magd im Bett haſt. Biſt Du zufrieden mit dreimal vierundzwanzig Stunden?“
„Ach,“ ſagt der Vikar und ſchlägt die Augen demüthig nieder,„wenn es Ruthenhiebe wären, die hätt' ich lieber.“
„Ei, damit kann ich jetzt nicht aufwarten,“ erwiedert der Praktikant.„Freilich wäre keine Strafe groß genug für den gottloſen Pfuſcher, der ein ſo aufrichtiges Kirchenlicht einen Lügner ſchimpft.“
Wie ich dies höre, geht mir ein ellenlanger Stich durch's Herz und meine arme Frau fällt mir um den Hals und zugleich in die größte Trübſal und ich weiß mir auch nicht zu helfen, bis zum guten Glück der Steffelbauer von Oſterberg ſeinen Buben herüber ſchickt, er ließe jetzt ſein Haus abweißen und ich möchte ihm geſchwind auf die vordere Wand ein paar Hei⸗ lige malen. Das war eine Schickung Gottes; denn zu Haus hätte ich's doch nicht ausgehalten und wenn wir beiſammen geblieben wären und alleweil darüber geredet hätten, Stund für Stund, ſo wär' es uns alle Tage nun bitterlicher worden.. Alſo packe ich ſchnell meinen Zeug zuſammen und wandere über's Gebirg hinüber nach Oſterberg. Dort male ich ein paar Tage die Heiligen auf das Haus, den heiligen Iſidor und die heilige Notburga und hab gar oft beim Malen mein Gebet verrichtet: O ihr lieben Heiligen, nehmt euch um mich an— nur dieſe Schande laßt mich nicht ausſtehen; lieber zieht mir den Arreſt ſiebenfach von meinem Leben ab! Insbeſondere die heilige Notburga habe ich darum


