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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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Und der Vikari, nicht faul, fangt Dir an zu predigen, aus der Kirchengeſchichte, von dem Pabſt Gregori und ſeines Gleichen, denen die römiſchen Kaiſer die Steigbügel gehalten und daß gar keine Achtung groß genug ſey vor dem Prieſter⸗ ſtande; daß überall Zeichen und Wunder ſich begeben; daß die Muttergottes in Frankreich leibhaftig erſchienen ſey und Hunger und Mißwachs vorausgeſagt habe, wenn ſich das Volk nicht beſſere, und die beſte Beſſerung ſey der Reſpekt und alleweil größerer Reſpekt vor denen, die das Wort Gottes ver⸗ künden, und wenn wir den gehörigen Reſpekt ſchon voriges Jahr gehabt, ſo wäre der große Hagelſchlag gar nicht ge⸗ kommen. Nun, das wäre Alles recht, aber der Hochmuth iſt auch immer gewachſen beim Vikari und Niemand hat ſich mehr tief genug bücken können und aller Reſpekt war immer noch zu wenig und Alles hat er übel genommen und in Alles hat er hineingeredet und im Beichtſtuhl hat er die Leute erſchreck⸗ lich heruntergemacht und die heimlichſten Sachen hat er wiſſen wollen, und Kundſchafter waren auch da, die ihm wieder hinterbrachten, was die Andern über ihn geſagt und von der Kanzel herab hat er dann wieder mit Fingern auf die Leute gedeutet, die laſterhaften, die verworfenen ſagt er die in ihrer teufliſchen Verſtocktheit ſich über ſeine Hoffart ärgerten. Und eh Du unſchauſt, lieber Lenzel, war im ganzen Dorf Alles wie umgekehrt, keiner hat dem Andern mehr getraut; unter vier Augen haben alle über den Vikari geſchimpft und in's Geſicht haben ſie ihm geſchmeichelt und demüthig hofirt; denn, ich weiß nicht, lieber Freund, ob Du ſchon in dem