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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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Heubauernliſi, wenigſtens nicht ſo, als wenn's mir leid thäte, daß es damals nichts geworden iſt. Lebhafter vielleicht um's Kennen und kecker und luſtbarlicher wäre die Liſi geweſen, aber die Burgel iſt viel freundſchaftlicher und heimlicher. Und was ſie gar ſchön kann, das iſt das Citherſpielen. Freilich muß ich aufrichtig ſagen, ſie hat noch viel gelernt von der Lehrerroſi ſeit ſie herunten iſt von dem Berge, und das Singen hat ihr die Roſi eigentlich erſt recht gezeigt. Aber jetzt gehts ſchon wunderſchön und wenn die Burgel und die andere oft an einem Abend miteinander aufſpielen und ſingen ja Du meinſt ſchon, Du biſt im Himmel oben und hörſt die Engelein.

Aber ſiehe da, eines Tages kommt der Nazi wieder aus dem Unterland und iſt Vikar bei uns, geht feierlich im Talar herum und hat eine Häuſerin, die recht hübſch iſt. Freundlich war er im Anfang, das muß man ſagen und wir ſaßen oft im Herrenſtübel beim untern Wirth beiſammen und ſprachen von der Veredlung des Menſchengeſchlechtes, wovon er ein großer Liebhaber war, auch von der Obſtbaumzucht und von der Weltgeſchichte. Aber weil nichts einen Beſtand hat auf dieſer Welt, ſo iſt auch dies bald anders worden und zwar deßwegen, weil ſo ſcharfe Schriften und Bücher aus der Stadt gekommen ſind, und immer ſchärfer ſind ſie worden und immer ſchärfer und der Vikar hat ſich daran ganz ſchwindlicht ge⸗ leſen. Im Anfang freilich hat er mir ſo die ſchönſten Stück⸗ lein erzählt und hat gelacht dazu, aber auf einmal kommt er daher und ſagt:

Jetzt habe ich's erſt gemerkt, daß wirklich was dahinter

Steub, Novellen. 14

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