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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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Du biſt, gleichwohl auch ſchreiben, daß wir allhier ſchon ſeit etlichen Jahren eine muſikaliſche Geſellſchaft haben, welche wie es der Schulmeiſter in die Statuten gar fein hineingeſetzt mit redlichem Fleiße beſtrebt iſt, ſich in der ſchönen Kunſt der Töne zu üben und gegenſeitig zu fördern, ſowohl zum Zwecke würdiger Belebung des Gottesdienſtes als auch zum Behufe veredelnder Erholung in den freien Stunden der Woche. Die Geſellſchaft kommt alle Monate drei⸗ oder vier⸗ mal zuſammen und man nennt ſie gewöhnlich den Cäcilien⸗ verein. So kam es denn, daß die alte Trompete in Es bald an weltlichen Orten zu hören war, bald auch wieder vom Chore herab in der Kirche. In den letzten Wochen aber war ſie faſt ausſchließlich dem Dienſte des Herrn geweiht und ruhte, wenn nicht geblaſen wurde, lautlos in einem Schranke des Chors.

Nun, lieber Freund, bis jetzt merkſt du freilich noch nicht,

wo das Unglück herkommen ſoll, aber wie geſagt, ich ſchreib Dir's ſchon und zwar gleich.

Ich hoffe, Du denkſt ihn noch, den ſogenannten Lehrer⸗ nazi, den Sohn des vorvorigen Schulmeiſters, der zu ſeiner Zeit auf den Grünauer Wieſen mit uns herumgelaufen und ein einfacher Knabe geweſen iſt, wie wir auch, eine Waiſe, die bei dem alten Wirthe Unterſchluf und Erziehung gefunden hat. Später kam er zur Studi, wie man zu ſagen pflegt, und es ſoll ihm dabei nicht übel gegangen ſeyn. Wir haben ihn ja nachher noch öfter hier geſehen bis er zuletzt nicht mehr erſchien, weil er Cooperator im Unterland geworden war.