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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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200 3

wenn es genug Hochzeitkäſten anzuſtreichen gibt und Todten⸗ kreuze. Hat mir' doch der alte Forſtmeiſter verſprochen, wenn ſein Sohn einmal ausſtudirt hätte und der Pfarrer von Wildenau, wenn er eine beſſere Pfarrei bekommt und der untere Wirth ſelig, wenn der Waizen fünfzig Gulden koſtet aber, mein Gott! die ſind alle lieber geſtorben, als daß ſie mir geholfen hätten.

Uebrigens wäre ich beinahe eingeſperrt worden, wenn nicht die Regierung dazugekommen und mein Schutzengel ge⸗ weſen wäre. Ja, der alte Hang zur Muſik hätte mich faſt ins Unglück geſtürzt, aber unſchuldigerweiſe; der Vikar da⸗ gegen, der hat's mit Fleiß gethan und der hat eigentlich die Verantwortung, wenn ich wirklich nach Amerika gehe.

Des ganzen Unfriedens Urſache und Wurzel iſt aber eine Trompete, die alte Trompete in Es, die mir der Hofinſtru⸗ mentenmacher Michael Süßlein ſchon vor Jahren als Ehren⸗ geſchenk und Andenken übergeben hat. Nicht wahr, lieber Lorenz, Du erinnerſt Dich noch an dieſes angenehme Inſtru⸗ ment und was es für einen wunderſamen Ton hatte, wenn es an hohen Feiertagen beim Gloria erklang! Der Lenzen⸗ hieſel ſagt noch heut zu Tage, erſt wie ich dieſe Trompete in Es vom Chore herab ſo andächtig geblaſen habe, iſts ihm bei ſeiner Copulation ganz deutlich geworden und gleichſam inner⸗ lich aufgegangen, was das für ein heiliges Sakrament iſt. Und bei den Tanzmuſiken will ich gar nicht ſagen, was man mit ihr ausrichten konnte.

Indeſſen muß ich Dir, damit Du beſſer weißt, woran