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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Place and Date of Creation
[Giessen] [2026]
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V

Neujahrstage ab. Einige davon gingen an einen Pfarrer, der ſein Firmpathe war, andere waren für die Baſe beſtimmt, der er in ſpäteren Jahren nicht mehr mündlich gratuliren wollte, weil er in ſeiner kurzen Feſtrede einmal geſtockt hatte, ſo daß ſie ihm darauf helfen mußte, und wenn's auf den Namenstag des Gerichtsvorſtandes zuging, ſo war ſein Tiſch voll verſchiedener Briefſteller, und er hatte es, ſo zu ſagen, recht hart; denn er mußte nicht allein für ſeinen eigenen Be⸗ darf einen Glückwunſch anfertigen, ſondern auch für ſämmt⸗ liche Kinder ſeines Vorſtandes, welche um dieſe Epoche von deſſen Frau immer ihm zugewieſen wurden. Endlich verfaßte er auch alle Quatember ſeine Bittſchrift um eine Anſtellung, ſo daß er alſo des Jahres viermal mit der Bitte, ihm doch auch etwas zu leben zu geben, ehrfurchtsvollſterſtarb.

Um ſieben Uhr brach er auf nach dem goldenen Löwen, wo er bis zur Polizeiſtunde blieb und drei oder vier Gläſer Bier trank. Er hatte da ſeinen ausgemachten Platz, den er ſchon ſeit Jahren beſetzt hielt. Er liebte ihn ſehr, dieſen Platz, und wenn es vorkam, daß ein Unberufener ſich darauf geſetzt hatte, ſo bemerkte er es gleich beim Eintritte und ſagte: So eben wird mir übel, und ging nach Hauſe. Darauf ließ er ſich ſeinen Abendtrunk auf die Stube holen und dachte über Rechtsfälle und Anſtellungen nach, aber immerhin nahm er es ſehr mißfällig auf, wenn ihm in dieſer Art der Abend vergällt worden war.

Baptiſt's Anhänglichkeit an das Gaſthaus hatte etwas Rührendes. Obgleich ihm der Wirth zum goldenen Löwen