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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Place and Date of Creation
[Giessen] [2026]
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und zog ſich dann gemächlich an, ſo daß er mit dem Schlag acht in ſeine Kanzlei trat. Dort verlebte er in Amtsgeſchäften den Vormittag, wartete in Ruhe den erſten Klang der Mittags⸗ glocke ab, ſpritzte ſeine Feder aus und ging in den goldenen Löwen zum Eſſen. Hiezu gönnte er ſich nur eine halbe Stunde Zeit, und nach Tiſche begab er ſich Sommer wie Winter auf den Spaziergang um die Stadt herum, wobei er abwechſelnd einen Tag zum obern, den andern zum untern Thore hinausging. Seine Wanderung endigte in dem Häuschen ſeiner Baſe, welches das letzte der Vorſtadt war, dort erwartete ihn ein Glas Bier, dem er aus eigenen Mitteln eine Pfeife Tabak beifügte. Hier blieb er an dem runden eichenen Tiſch vorne am Fenſter ſitzen, bis es drei ſchlug. Eigentlich ſollte er ſchon um zwei Uhr wieder in der Kanzlei ſeyn, aber der Gerichtsvorſtand hatte ihm ſchon lange, wegen ſeines Fleißes in den übrigen, dieſe eine Stunde geſchenkt. Von da an ſaß er wieder emſig auf ſeinem Drehſtuhl bis ſechs Uhr, und dann ging er nach Hauſe, um dort bis ſieben Uhr zu verweilen.

Er las da, je nachdem es kam, das Regierungsblatt, das er ſpäter, wie wir hören werden, ercerpirte; dann fütterte er eine Grasmücke, welche er einſt im Garten der Baſe ge⸗ fangen; zuweilen blickte er ausruhend zum Fenſter hinaus, meiſtentheils aber war er mit Schreibereien beſchäftigt. Ent⸗ weder rechnete er ſeine eigenen Ausgaben zuſammen und ſtellte ſie zum Behuf des Monatſchluſſes in überſichtliche Ordnung, oder er faßte Gratulationsbriefe für Namens⸗, Geburts⸗ und