ſtieg Herr Schimmelhauſer eines Nachmittags in den Sattel und ritt, von männiglich angeſtaunt, zum Thore hinaus. An⸗ fangs ging Alles recht gut, aber der Reiter gewann bald zu viel Vertrauen und ruhte nicht eher, als bis er das Pferd durch allerlei Künſte in raſchen Trab geſetzt hatte. Seltſam angewandelt von dieſer ungewohnten Bewegung wollte Baptiſt allerdings ſchnell wieder auf den früheren Schritt zurückkehren, verlor jedoch Steigbügel wie Sitz und konnte ſich nur dadurch vor dem Falle wahren, daß er ſich feſt in die Mähne klam⸗ merte, wobei er aber unbewußter Weiſe mit dem Sporne lebhaft in die Weichen ſeines Thieres bohrte. Dadurch immer muthiger gemacht, ſtürzte der Gaul fort und fort über Wies und Feld, bis er zuletzt in dem wohl bekannten Stalle eines nahe gelegenen Dorfwirthshauſes ſeine Ruhe wieder fand, nachdem er den Reiter an der Thüre rückſichtslos herabgeſtreift. Dieſer fand ſich zwar nicht bedeutend verletzt, aber doch ſo ſchmerzhaft geſchunden, daß er dem Wirth zum goldenen Löwen alsbald einen eigenen Boten ſchickte, er möge ihn mit ſeinem Einſpänner abholen. Herr Schimmelhauſer wurde über dieſen neuen Unfall zwar vielfältig belächelt, zeigte aber keine Empfindlichkeit, ſondern ſagte lediglich:„Ich hab's jetzt doch probirt!“ 6
Bald darauf begleitete er die Baſe, welche mit einer jungen Verwandten ausnahmsweiſe die Kirchweih eines nahe gelegenen Dorfes beſuchte, auf dieſem Freudengang, und draußen wurde er in kurzer Zeit ſo übermüthig, daß er zum erſtenmale in ſeinem Leben auf den Einfall kam, zu
Steub, Novellen. 2


