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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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Herr Schimmelhauſer lächelte vergnügt, aber bei aller Fröhlichkeit über die Beſcherung vergaß er nicht, daß er ſchon ſeit drei Monaten den Miethzins ſchuldig ſey, und ſo nahm er gleichwohl die drei Thaler in die Hand, um ſie in die ſeiner Hausfrau zu drücken, worauf jedoch dieſe ablehnend erklärte:

Darf nichts mehr annehmen, weil den Miethzins von jetzt an eine unbekannte Wohlthäterin zahlt.

Herr Schimmelhauſer war nicht wenig erſtaunt über dieſe Worte, verſtand aber doch, was ſie ſagen wollten, und blieb nur noch ſo lange im Bett, bis er ſich auf einen wohl⸗ geſetzten Dankſagungsſpruch beſonnen hatte. Dann aber zog er ſich eiligſt an und ſpazierte in dem neuen Fracke zu ſeiner Baſe, welche mit freundlichem Lächeln ſeine Rede anhörte und zu wiederholtenmalen ihre Freude darüber äußerte, daß er jetzt ſo viel gleich ſehe. Herr Schimmelhauſer ließ ſich davon ſelbſt unſchwer überzeugen, und es beeinträchtigte auch ſein Gefallen an dem neuen Gewande nur wenig, als ihm Abends beim Bier der Schneidersmann, der den Rock gemacht hatte, mit aufrichtiger Gemüthlichkeit verſicherte, es ſey dieß der wohl⸗ bekannte Hochzeitfrack ſeines ſeligen Freundes, des Korb⸗ machers, den derſelbe fünfzehn Jahre lang an allen Sonn⸗ und Feiertagen getragen, was man ihm übrigens gar nicht anmerke, maßen es vortreffliches Brüſſeler Tuch geweſen.

Von jetzt an ging es unſerm Praktikanten ganz erträglich. Für ſeine Kleider bot die Hinterlaſſenſchaft des ſeligen Korb⸗ machers lange hinaus gar trefflichen Nachſchuß; um den Miethzins fragte er nimmer, und um ſeine Wäſche nahm ſich