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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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als es einem jungen Manne einfiel, um ihre Hand zu werben, die ſie nimmermehr vergeben wollte.

Als nun eines Tages die Baſe unſern Baptiſt auf der Gaſſe fragte, ob er ſie nicht zuweilen in ihrer Einſamkeit heimſuchen wolle, zeigte er ſich allerdings etwas verlegen und wußte nicht recht, was er antworten ſollte; aber als er ſich einmal den Muth gefaßt hatte und hingegangen war, kam er immer häufiger. Er fand bald, daß die böſe Baſe eigentlich eine ganz gute Frau ſey, und ſie gewahrte mit Vergnügen, daß Vetter Baptiſt, den ſie ſich früher ſo gerne als völlig miß⸗ rathen gedacht hatte, ein ſehr rechtſchaffener Praktikant ge⸗ worden. So fing ſie nun an zu überlegen, wie ihm wohl am ſachdienlichſten beizuſpringen wäre, und die nahe bevor⸗ ſtehenden Oſtern boten ihr gleich die erſte Gelegenheit dazu. Am Oſterſonntage erwachte Herr Schimmelhauſer ganz feier⸗ lich in ſeinem Stübchen, und als er die Augen aufgeſchlagen, ſah er auf dem Tiſchchen vor ſeinem Bett einen neuen Feier⸗ tagsfrack auf einem ſchönen Teller, und als er verwundert, was das zu bedeuten habe denn er hatte ſchon ſeit Jahren keinen Rock mehr beſtellt das ſchmucke Gewand in die Höhe hob und zur allſeitigen Betrachtung näher an ſich her⸗ anzog, bemerkte er auf dem Teller darunter drei neue Thaler, die ihn hell und freundlich anſtrahlten. Ungeduldig rief er nach der Hausfrau, welche ſchon auf ſein Erwachen gewartet zu haben ſchien, und alsbald hereinſtürzend ſagte:Gehört alles Ihnen, Herr Praktikant, ein Oſterpräſent von der Frau Baſe.