Das Aſſeſſoreramen war endlich auch überſtanden, und nach einigen Monaten kam die Note. Es war eben nicht die beſte, was Herr Schimmelhauſer dem Umſtande zuſchrieb, daß die Beantwortung der gegebenen Fragen allenthalben aus Büchern habe geſchöpft werden müſſen, die er nicht zur Hand gehabt. Doch war es eine angenehme Stunde, als das ver⸗ ſiegelte Schreiben einlief, und er ſetzte ſich hin und machte ſeine erſte Eingabe.
Um dieſe Zeit begab ſich ein Ereigniß, das die Umſtände unſeres Freundes weſentlich verbeſſern ſollte. Es ſtarb näm⸗ lich der Ehegatte ſeiner Muhme, und die kinderloſe Wittwe, die ſich jetzt einſam fühlte in der weiten Welt, trat ihrem Vetter Baptiſt näher und begann ſich mehr und mehr ſeiner anzunehmen. Bisher hatte ſie nicht viel von ihm wiſſen wollen, denn nach dem Votum, das ſie in frühern Jahren im Familienrathe abgegeben, ſollte aus dem Jüngling ein geiſt⸗ licher Herr werden, und da dieſem entgegen der Vater darauf beſtand, daß er der Juſtiz geweiht werden müſſe, hatte ſie ſich ihm lange Zeit hindurch faſt abhold gezeigt. Jetzt aber fing ſie an zu fühlen, daß er doch der Nächſte ſey ihres Stammes, der Sohn ihres armen Bruders, und ſo mochte es ihr chriſtlich ſcheinen, dem Vetter etwas von ihrem Wohlſtande zufließen zu laſſen. Sie ſtand, ohne Reichthümer zu beſitzen, eben ſo fern von allem Mangel, als Herr Schimmelhauſer nahe daran. Ihr Gemahl war ein Korbmacher geweſen und hatte während ſeines Daſeyns ſo fleißig Körbe gemacht, daß ſeine Wittwe unabhängig leben und ſogar ſelbſt einen austheilen konnte,


