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Novellen und Schilderungen / von Ludwig Steub
Entstehung
[Giessen] [2026]
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Salonsnovellen zum Beſten derer, die nie einen Parketboden betreten, und bürgerliche Pracht⸗ und Miſereſtücke zur Orien⸗ tirung der Ariſtokratie des Geldes und der Geburt. Will ſich die höhere Geſellſchaft und das Bürgerthum über das Leben der unterſten Klaſſen belehren, ſo ſtehen vor der Hand die ſchätzbaren Pöbelromane der Engländer zu Gebote, die wenigſtens Analogien zur Erkenntniß der heimiſchen Zuſtände liefern. Auch wird es ſchwerlich mehr lange dauern, bis ein glücklicher Finder das Bauernleben entdeckt und dem Publikum zur Beſchauung ausſtellt. Außerdem aber ſind ſeit Jahren auch ſchon Schritte geſchehen, um den Feſtländer mit dem Leben zur See, den Städter mit dem Treiben der Fiſcher, Jäger und Räuber novelliſtiſch bekannt zu machen, und in einer Anzahl der trefflichſten Produktionen ſieht ſich endlich der zahme Menſch den halb und ganz wilden, den Beduinen, den Irokeſen und Neger gegenübergeſtellt. Bei all Dem gibt es indeß manche Sphären, die noch ihren Bearbeiter erwarten, ſogar in unſerer nächſten Nähe, und wir wenigſtens meinten zu entdecken, daß das Leben der Staatsdienſtaſpiranten, dieſer allenthalben in Deutſchland verbreiteten Gattung, bisher noch gänzlich überſehen worden. In dieſer Meinung haben wir uns daran gemacht, den bisherigen Lebenslauf eines derar⸗ tigen Zeitgenoſſen zu ſchildern, welcher, iſt er auch kein Muſter⸗ bild der ganzen Art, doch viele charakteriſtiſche Züge, die ſonſt in ihr zerſtreut angetroffen werden, in ſich vereinigt. Wir geben dieſe Skizze um ſo leichteren Herzens, als wir von dem Geſchilderten außer einigen Eigenthümlichkeiten nur