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Da nun aber gerade dieſe letztern Empfindungen dem menſch⸗ lichen Leben die überwiegende Farbe geben, dieſelben jedoch den Unbetheiligten nur zufällig und vereinzelt erſichtlich wer⸗ den, ſo möchten wir eher ſagen, der Menſch, wenigſtens einer, der nie aus ſeinem Kreiſe getreten iſt, kenne nur dieſen, viel⸗ leicht noch etwas Weniges von dem nächſt verwandten, ſonſt aber keinen.
Der Gelehrte zum Beiſpiel, der ſeinen Rock anthut, er ſey ausgebürſtet oder nicht, hat keine Ahnung von der Freude, die ein junges Mädchen empfindet, wenn es zum erſten Male ein neues florſeidenes Ballkleid überwirft. Eben ſo wenig weiß der Richter, der mit dumpfem Gleichmuth den Aktenkaſten auf⸗ und zuſchlägt, von dem Behagen, das ſich in hellem Scheine auf das Antlitz der Hauswirthin legt, wenn ſie ihren Leinwandſchrein eröffnet. Der Städter, der, zu frühe auf⸗ gewacht, das Fenſter öffnet und das Geſicht verdrießlich über die kalte Morgenluft wieder zurückzieht, denkt er wohl an die Wonne, in der zur ſelben Stunde der Waidmann lebt, der draußen im Forſte auf den Rehbock wartet? Der Dichter geht mit eben dem Vergnügen durch ſein letztes Trauerſpiel, als der Landwirth durch ſeine friſch gedüngten Auen, aber es füllt dem Einen nicht ein, dabei auch an den Andern zu denken.
In der That ſcheint auch Manches darauf hinzuweiſen,
daß die Gegenwart dieſen Mangel allgemein fühlt; ſie ſcheint ihn faſt als etwas zu betrachten, das einer ſchleunigen Ab⸗ hülfe bedürftig ſey. Herkömmlicherweiſe hat ſich denn auch die Literatur dieſer Lücke zugewendet, und ſo haben wir bereits


