Mnſhi⸗ Physioguomik, und Ge⸗ ſichtskunde, die blos auf den Geſichtszuͤgen, auf Naſe, Mund und Stirn zu beruhen vermeint und daraus an ſich etwas machen will, iſt in 6 todt, und kann nie was zu Stande bringen. Im⸗ mer fehlt noch, grade das Hoͤchſte und Innigſte, das Auge, das läßt ſich aber auch nicht in For⸗ meln und Linien einzwaͤngen, ſondern es muß bei jeder einzelnen Erſcheinuhg und Beobachtung ei⸗ nem erſt als Schlußſtein ganz neu hinzutreten zu dem uͤbrigen Geſicht; erſt in ſeinem Lſcht und durch deſſen Beleuchtuſg erhält dieſes Leben fuͤr den Beſchauer. Der Physiognom, der das nicht weiß, und ſich ohne das Geſichter zeichnen will, hat nur die kalte bleiche Larve eines Verſtorbenen mit dem ſtieren Todtensuge, den Niederſchlag und zurickgeblicbnen Todtenkopf ei⸗
nes längſt entflogenen Lebens. Wer Geſichtsver⸗
hältniſſe ohne Beziehung aufs Auge nur meß⸗ kuͤnſtlich Lerzeichnet und abreißt, und hienach ur⸗ theilen will, dem muß es gehen wie allen denen, die den Geiſt in Zahlen bannen und das Leben mit Winkeln abmarken wollen, das Leben zer⸗ ſprengt ihre künſtliche Bande, wie Schneider⸗ mhaße. Dle Pliysiögromik läßt ſich äberhaupt lange nicht ſo meßkuͤnſtlich abreißen und berechnen, wie ſo Viele gewollt haben; ſie läßt ſich auch nich t lehren, ſondern will erlebt ſein. Dieſelben Züge, den Winkeln und Linien nach, und auch ei⸗ nerlei im Grundtyne der Bedeutung können den⸗ nach ganz entgegengeſetzte Bedeutungen erhalten, bl s durch das pozukommende Auge.


