erſte Liebesblick die Brautnacht der Herzen. Die Augen flacher Seelen ſind flache Suppenteller aber in die Augen eines tiefen Gemuͤths kann man ewig hinein ſehn, ohne je bis auf den Boden um die Sache auf die Kunſt zu beziehen, die einzig allein auf Physiognomik nach mei⸗
nem Sinne beruhen kann, ſo verwirft ſie keines⸗
weges die Pflanzen⸗ und Thierwelt, was ſie auch
nie gethan hat, aber ihr eigentlich Zielwerk und
der Gegenſtand, um deßwillen ſie nur den Nebel⸗
umkreis der Pflanzen und Thiere mit aufnimmt⸗
das Wäppenbild, wozu dieſe blos den Feldgrund
hergeben, iſt der Koͤrper des Menſchen. In die⸗
ſein wiederum das Höchſte das Geſicht, was ſich
beſonders zeigt in der Mahlerei, und in ihr noch
mihr als in der Bildnerei— aber zum Aller⸗ höchſten und Allerheiligſten, zum Lebensblick des Auges kann ſie ſich nie erheben. Der Bildner
läßt da ganz leeren Raum, und auch der Mahler
deutet nur ſchwach an; in den Geſichtszůgen koͤnn⸗
ten ſie das Leben lebendig darſtellen, aber weiter geht des Menſchen Macht nicht. Konnte er auch das Leben des Auges erreichen mit ſeiner Kunſt⸗
ſo wäre er Schopfer und ſchufe Seelen mit ihren
Körpern, anſtatt er jeßt nur Körper nach ihren Seelen ſchafft; dann wuͤrde es mehr Pygmalions⸗
Bildſaäulen geben, und es liegt etwas ſehr Tie⸗
fes in jenem mahomedaniſchen Verbot der Mah⸗
leret,„weil ſonſt die Koͤrper am juͤngſten Gericht
ihre Seelen vom Mahler fordern wuͤrden.“


