Teil eines Werkes 
1. und 2. Lieferung (1819)
Entstehung
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20. Die Brautnacht fär Reine.

Es gibt kein heiligeres, den ganzen Menſchen mit namenloſerer Ahnung an- und ergreifendes Wort, als das Wort Brautnacht. Wehe und Wehe dem Leſer, dem der Anfang dieſes Eies nicht ſo ins Herz klingt, wie es ſollte! Die Brautnacht iſt jedem Menſchen die Tag- und Nachtgleiche ſei⸗ nes Lebens, die Sonnenwende ſeines Erdenjahres, die hoͤchſte Polhoͤhe ſeines Himmels und der Mit⸗ telpunkt aller ſeiner Fuͤhl- und Denkkreiſe. Es verſteht ſich am Rande, daß ich hier nur von Men⸗ ſchen rede, die, wie Sonnenberg, ihr Herz keuſch bewahrten, ein unentheiligt Delphi der Liebe*); und nicht von denen, die, GOtt weiß in welchem lichtſcheuen Winkel, Schandnaͤchte ſtatt Brautnaͤchten genoſſen. Denen freilich iſt dann die Brautnacht nur noch ein ſchwacher Nach- und Spaͤtſchatten oder Spiegelglanz des ſterbenden Le⸗ bens, und ſie wird Tag- und Nachtgleiche in dem Sinne, daß eines ſolchen Tag nun geſunken iſt, und nach dieſem Sonnenſtillſtand ſeine ewige Nacht anfaͤngt. Beim Lichte beſehn iſts aber Unrecht, daß man ſich erſt mit dem Gedanken an dergleichen Miß⸗ und Nachgeburten der Menſchheit die ſchone Stimmung verdirbt. O ihr Alle, denen Maͤnner⸗ keuſchheit keine Grille duͤnkt, wie ſenem altweiſen Arzte, und die ihr alle rein euch weiht und auf⸗ behaltet der im Bilde oder im Leben Auserkohr⸗ nen, es ſei nun eure Sonnenwende ſchon gekom⸗

S. Sonnenbergs O4e: die Etwähite.