Hunger mehr, ſondern nur noch Eßluſt da iſt, und es ſonſt in die Reihe der Moglichkeiten ge⸗ hoͤrt, mag er auch wohl zuweilen Kuchen, Zucker⸗ brot und ſußſaure Gemengſel zu ſich nehmen, zur Abwechſelung und zur Erquickung. Unſer Jahr— hundert aber that des Guten zu viel, ließ den Brotbackofen ganz eingehen, und fraß nichts als Zuckerbrot und Kunſtkochereien. Die Buchläden waren eine Zeit lang nichts als Garkuͤchen nach hohem Geſchmack, die alles alte Uebriggebliebene nur wieder aufwaͤrmen und betunken. Dadurch hat ſich das arme Jahrhundert den Magen ver⸗ dorben, und kränkelt noch immer an den Folgen der Unmäßigkeit. Die Buchhaͤndler bieten noch immer mehr Zuckerbrot und Suͤßigkeiten dar, in Saffian und Goldſchnitt, in zwölftel und Sechs⸗ zehntel, in Futteralen und mit Kuͤpferchen, als Einmonats- und Eintagsfliegen,— und kommt nun auch mal einer mit tüͤchtiger Hausmanns⸗ koſt an, die doch die einzig wahrhafte und nahr⸗ hafte iſt, ſo verſchimmelt ſie ungegeſſen. O man mochte weinen uber die jetzigen fuͤſſen Herren im Schriftthum, die keine Speiſe mehr verdauen kon⸗ nen, wenn ſie nicht zehnfach gezuckert, gewurzelt, gemengelt und geſchneizelt iſt.
19. Urſprung der Trunkenheit.
Manchmal entſteht das häßlichſte Laſter, die Trunkenheit, grade aus dem Edelſten des Men⸗ ſchen, aus dem Drange nach Allerkenntniß und Weltweisheit. So mancher hat in wahrem Wiß und Laune die ganze Welt als bloße Welt zum


