Teil eines Werkes 
1. und 2. Lieferung (1819)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2 18

dieſen Beweis laufen zuletzt alle andern mehr oder weniger hinaus.

15. Dichters Unbegreiflichkeit.

Der Werkeltagsmenſch begreift den chleri⸗ ſchen nicht, wohl aber dieſer jenen ſo Zehr gut. Woher kommt das? Weil aus der⸗ Dunkelheit ins Licht immer leichter zu ſehen iſt, als aus dem Hellen ins Finſtere, wuͤrde vielleicht mancher haͤ⸗ miſche Spottvogel ſagen oder ſagen wollen. Al⸗ lein ich weiß die Urſache beſſer: Weil der ge⸗ meine Verſtand als unbedeutender Beſtandtheil mit in der Anſchauung des Urbildes liegt, nicht aber ſo das Urbild im gemeinen Verſtand.

16. Seligkeit des Wohlthuns.

Wohlthun wird ewig die höchſte und reinſte Freude eines liebenden Menſchenherzens bleiben, und das ſelige Gefühl, in ein Mitherz der Erde auch nur einen Tropfen erquickenden Freuden⸗ weins gegoſſen zu haben, wiegt allen Stolz und Freudigkeit des kalten Selbſtgenügens im eigenen Gluͤcke tauſendfach auf. Sei noch ſo uͤberfüllt mit Genüſſen der Eigenfreude; wenn ſie, in 1o) ſelber zuruͤckgedraͤngt, ſich nicht mit andern thei⸗ len darf, wird ſie in ihrem eignen Uebermaaß erſticken. Aber ſchaut jenen aͤrmlichen Mann an, den ein Menſchenfreund durch eine milde Gabe dem Rande der Verzweiflung entruͤckte mitten in die gruͤnſten Hofnungsauen hinein. Seht, wie das ſo vielfach ſchon gepreßte und von der rau