Teil eines Werkes 
1. und 2. Lieferung (1819)
Entstehung
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Sinn iſt das Hochſte und Heiligſte auf Erden. Hier iſt die Stufe, uͤber welche Gott zum Men⸗ ſchen herabſteigt, eine Jungfrau iſt als ſolche nothwendig zugleich ein Engel in Menſchengeſtalt, woröber man das Woͤrterbuch aller Dichter und Verliebten nachſehe. Kinder nehmlich(d. h. Dich⸗ ter) und Narren(d. h. Verliebte) reden nach ei⸗ nem alten Sprichworte ſtets die Wahrheit. Eben darum konnte der ewige GOttmenſch auch nur von einer reinen Jungfrau gebohren werden, wie es alle vorchriſtlichen Sagenlehren ahnen, in denen von der Menſchwerdung eines Gottes die Rede iſt und wer dies Stuͤck der Glau⸗ benslehre umgeht, vernichtet damit zugleich die Gottheit des Chriſtes. Eben darum iſt der hoͤchſte Gipfel des Schoͤnen in der zarten Geſtalt des unſchuldigen Weibes die Mutter iſt nur ſchoͤn, in ſo fern ſie ſich ſelbſt als ſolche nach Jungfraͤu⸗ lichkeit erhalten konnte und der hoͤchſte Sieg der Kunſt in der mediceiſchen Venus und der Madonna darum iſt Schoͤnheit und Jung⸗ fraͤulichkeit eigentlich einerlei im tiefſten Urgrund. Darum leuchtet der Himmel mit allen ſeinen Sternen aus dem reinen Blicke der Jungfrau, die nichts davon weiß, daß ihr unbefangen die

Erde betrachtendes Auge den Himmel ruͤckſtrahlt

durch Offenbarungswunder. Darum vermag die edle Herrin den wildeſten Ritter zu ſaͤnftigen,

und darum iſt die Tugend, Wahrheit und Schön⸗

heit in allen tugendhaften Sprachen weiblichen Geſchlechts. Wer dies Heiligthum des Jung⸗ fraunherzens nicht ehrt und anbetet, iſt auch kein Menſch, und wer dieſen reinen Spiegel des Him⸗