Teil eines Werkes 
1. und 2. Lieferung (1819)
Entstehung
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bloßer Schein, daß es einen Gott und eine Welt zwar in, aber doch auch auſſer ihm gibt. Wann aber kommt die ſelige Brautnacht, da Inn⸗ rewelt und Außenwelt ſich vermaͤhlen und Eine Welt werden?

3 10. Reden und Verſtehen.

Wenn du in die Welt trittſt, ſo lerne nicht unzählige Sprachen, lerne die Menſchen uͤber⸗ haupt verſtehen, wenn ſie mit dir reden, lerne Alles verſtehen, was da geredet wird im Reiche des Seins. Das iſt eine unendlich ſchwere Kunſt. Verſtehſt du, was ein Andrer will und iſt und thut, dann verſtehſt du auch dich ſelber und haſt den Stein der Weiſen. Die Sprache iſt aber unendlich, und nicht nur in Toͤnen wird geſpro⸗ chen. Der Taubſtumme redet in Gebehrden, Lie⸗ bende mit den Augen, der Kutſcher mit der Peit⸗ ſche, der treue Hund mit dem wedelnden Schwanze, erhabene Menſchen nur mit Handlungen, Gemu⸗ ther mit Geſichtszuͤgen, die Zeit mit Glocken⸗ ſchlägen, der Zeitgeiſt mit Druckerſchwaͤrze und Sprichwoͤrtern, Dichter, Weltweiſe und Kuͤnſtler in Gleichniſſen, Bildern und Geſtalten, Enge in Lichtſtrahlen und Klaͤngen, und Gott redet in der Weltgeſchichte. Aber alle, die da reden, mußt du verſtehen, denn Mißverſtändniß iſt der Urquell des Boͤſen und die Schlange des Teufels.

11. Die Welt ein Brauhaus. Wenn zu hundert und aber hundert Gleich⸗