Teil eines Werkes 
1. und 2. Lieferung (1819)
Entstehung
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den die breite Naſe, die flache Stirn, das ſpitze Kinn; ſchoͤn bleiben ſie dennoch im wahr⸗ ſten Sinne des Wortes, und die Regel, daß in einem ſchoͤnen Körper auch ſtets eine ſchoͤne Seele wohne, geht nur umgekehrt in Erfuͤllung, indem die ſchöne Seele ihrem Korper eben dadurch, daß er ihr Koͤrper iſt und ſie ausdruͤckt, ſchon die hochſtmögliche Schönheit verlichen hat. Sonſt gibts denn freilich auch Faͤlle, wo hochſte Schoͤn⸗ heit fuͤr Kunſt und Natur mit der ſchönſten Seele begabt erſcheint; aber von derlei Laternenträgern und Admirolen, die auf den glaͤnzenden Fluͤgeln ihr eigens Schau- und Ehrendenkmal tragen, und kaum noch mit den Nachtfaltern zu einem Ge⸗ ſchlecht gehören, von ſolchen Paradiesvögeln ſollte man eigentlich gar nicht reden, ſondern nur flö⸗ ten und auch da wuͤrde man noch vergeblich nach ſo ſchmelzenden, zitternden, leisgehauchten Zartklängen ſuchen, wie ſie ſelber im großen All⸗ ſpiel der Schöpfung ſind. Treibt das blinde Schickſal ſolch ein feinartig Wundervoglein in ei⸗ nes Philiſters Hand, ſo ſpießt er es erbärmig⸗ lich auf, und läßt es vor der ganzen Welt pran⸗ gen und prunken im bunten Glasſchrank ſeiner Kerbthierſammlung während der ſinnige Jüng⸗ ling ſich traut und geheim einſchließt mit dem zarten Wundervöglein, in einen ſuͤß duftigen, ſelbſtgepflanzten Bluͤthengarten, ſich in ſtillem Schauen ergotzt an dem Flittern und Flattern ſei⸗ nes Kleintds von Blume zu Blume im Sonnen⸗ gold, und leislauſchend ehrfurchtsvoll beſcheiden die Fluͤgel beruͤhrt, auf daß er nicht den blinkenden Himmelsthau von ihnen hauche.