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5. Physiognomiſche Schbnheit der Frauen.
Nicht die in Wahrheit und eigentlich ſcho⸗ nen Frauen ſind fuͤr ein weiches Gemuͤth und hoch feuerhaltige oder ſchnellkraͤftige Nerven die gefaͤhrlichen; denn gar zu oft ſind ſie— leider!— nichts weiter denn ſchoͤne Marmorgebilde ohne Liebe und Leben, und du ſuchſt in der ſchoͤnen Geſtalt vergebens nach einer ſchönen Seele, dafuͤr vir eine ſchale Alltagsſeele entgegengreint. Wahr⸗ lich und gewißlich, iſt unſer einem ſchon ſolch ein Betrug hie und da wieberfahren, da möchte man raſend werden uber die tuͤckiſche Grauſamkeit, wie Marktſchreier, hinter ſo erhabenen Aushaͤn⸗ gezetteln und in ſo geheimnißvollen Buͤchſen nichts weiter zu verwahren, als etwas Mehlſtaub, der manchmal gar zum giftigen Mehlthau werden mag. Ich komme zum Nachſatz: Richt dieſe lee⸗ ren, bunten Puppenhuͤllen der gemeinen grauen Nachtfalter ſind die gefaͤhrlichen, ſondern die— wenn zur jetzigen Zeit mir noch vergonnet iſt, im Ernſt ein fremd Wort zu gebrauchen— Phy- siognomisch⸗Schönen, denen das gute, unbe⸗ ſchreiblich treue und trauliche Herz, die unbe⸗ fleckte gottliche Weiberzucht und das deutſche Frau⸗ enthum ſo recht aus jedem Blick und Wink der Augen, aus jedem Zug des Antlitzes herausleuch⸗ ten: Mag immerhin vor der beeiſten Brille des aber- und aftergelehrten Kunſtrichters, der die Schönheit ausmeſſen und abreißen will gleich ei⸗ nem Feldmeſſer— mag vor der auch nicht Gnade


