Teil eines Werkes 
1. und 2. Lieferung (1819)
Entstehung
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d. Alt und Jung.

Das Geſchlecht der Alten redet und ruͤhmet ſtets gewaltig ob ſeiner langen und großen Er⸗ fahrung, und will ſolcher Erfahrung Alles un⸗ terordnen, und jeglichen. lebendigen Geiſt ertodten und ertruͤmmern. Das aufwachſende Geſchlecht will ſeine Gedanken und ſeines Glaubens Ue⸗ berzeugung über alle Erfahrung erheben, bis es auch alt wird, und drauf plötzlich zum Gegen⸗ theil umſpringt. Gar ſelten findeſt du einen Wei⸗ ſen, der zwiſchen beiden den Schwerpunkt der Welt und den Kern⸗ und Keimgrund der Wahr⸗ heit, dieſen Geſichtspunkt fur alle An⸗, Ein⸗, Aus⸗ und Vorſichten dieſes Menſchenlebens rich⸗ tig zu treffen weiß. Wer ſtets voll iſt und Lan⸗ ges und Breites ſchwatzt von den⸗ goldnen Mit⸗ telſtraße, und ſich mitten drin glaubt, iſts eben darum am wenigſten, Wir können uns dieſem Brennpunkt des Hohlſpiegels der GOttheit, d. h. der Welt, hier nur bis aufs unmerklichſte nä⸗ hern, ſo daß die ſich daneben etwa zerſpaltenden und zerſtreuenden Lichtſtrahlen ein fluͤchtig Schein⸗ bild des Weſens in unſer Auge werfen. Einmal tritt Jeder völlig ein in dieſen Mittelort des ei⸗ gentlichen Ich, in den Gleichgewichtspunkt der unaufhörlich wankenden und ſchwankenden Wage der Endlichkeit; aber dann brennt ihn der großen Sonne Feuer auch im Nu zu Staub, gleichwie die Erdenſonne den Demant in ſich trinkt, der ſo lange mit dem von ihr erborgten Glanze geſtrahlt

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