198
vollends ihre Lebenskraft, und ſie ſtarb in den Armen des Sohnes mit der Ahnung, daß ſie noch glückliche Tage hätte erleben können, wenn ſich ihr ſtolzer Sinn von jeher unter der Mutterliebe gebeugt.
Edgar und der Abbé folgten trauernd ihrem Sarge, ſonſt beweinte ſie Niemand; obgleich ſie vielleicht, außer dem eigenen Kind, Niemand ein Unrecht gethan.
Nachdem Edgar alle Angelegenheiten geordnet, ſchrieb er an Lorenzo, der damals mit Ella in Brüſſel lebte, ſie ſollten in das einſame Haus in der Schweiz kommen, er wolle dort mit ihnen zuſammentreffen.
Dem Abbeé ſagte er, daß er etwa ein halbes Jahr ausbleiben, dann aber für immer zurückkehren werde, und zwar mit einer jungen Frau.
Dieſe Ausſicht elektriſirte den alten Herrn wahrhaft, und er verſprach, einſtweilen einen guten Haushalt auf Schloß Bardenberg zu führen.
Wenige Tage nach Edgars Ankunft, welche Wilhelmine die Erfüllung ihrer höchſten Glück⸗ ahnungen brachte, kam auch Lorenzo und Ella
an und ſahen mit Freude ihre Vermuthung be⸗
ſtätigt: Wilhelmine als glückſelige Braut Edgars.
*
6 —3


