Teil eines Werkes 
3. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

192

zum Gatten ihrer unbekannten Schweſter be⸗ ſtimmt war. Alles dies beſtrickte ihre Fantaſie, und der noch unentwickelte Charakter des jungen Mannes beſchäftigte ihre Gedanken und machte ihn ihrem Herzen zu einem liebenswerthen und intereſſanten Gegenſtand. Die Gefahr, die da⸗ rin für ihr Leben lag, war keine bedeutſame, und ſie hatte ſie ja auch bereits ſiegreich überwunden, als ſie in Lorenzo ihren Bruder erkannte. Es bedurfte dieſer freudigen Entdeckung nicht ein⸗ mal mehr, ihr Herz ganz zu beruhigen über ein kaum geträumtes Liebesglück.

Sie ſagte ſich, daß nur mächtige Aufregungen ſie wirklich beglücken konnten, ſei es nun die Liebe oder der Ehrgeiz, der ſie erzeugte. Bis jetzt war es hauptſächlich nur der letztere, der ihre Bruſt bewegte, und vereint mit dem Bruder erhielt ihr Name auch bald einen hellen Klang in der Kunſt⸗ welt. Ob auch die Leidenſchaft der Liebe ihr glückliche Stunden brachte, überhaupt ihr Künſt⸗ lerleben ſie ſo beglückte, wie ſie es einſt gehofft wiſſen wir nicht.

Noch lebt ſie an Lorenzo's Seite als Künſt⸗ lerin in Italien, und führt dort, wie früher, ein