Teil eines Werkes 
3. Band (1862)
Entstehung
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Betſtuhl der dunkeln Zelle. Dann erzitterten die Falten ihres weißen Gewandes, und ſie preßte den ſchwarzen Schleier feſter an die Augen, die her⸗ vorquellenden Thränen damit auszulöſchen. Doch unaufhaltſam floſſen ſie, und dieſe beſchwichtigen⸗ den Freunde bitterer Qualen wandelten auch die ſchwere Pein ihrer Seele in eine mildere Stimmung um. Sie vermochte jetzt zu beten, und fand darin wieder einige Beruhigung.

Noch flehte ſie geſenkten Hauptes zu Gott um Kraft für die nahenden Stunden, als es leiſe an die Thüre pochte. Sie erhob ſich, und jetzt erſt bemerkte ſie, daß das Licht erloſchen war. Schnell fachte ſie ein anderes an und öffnete dann die Thüre, die von innen verſchloſſen war.

Beate trat mit Manuela ein, zog ſich aber ſo⸗ gleich wieder zurück, das Kloſterkind mit der Prio⸗ rin allein laſſend.

Manuela, roſig, doch faſt durchſichtig zart, küßte die Hand der Mutter Hildegard und ſagte mit ihrem holdeſten Lächeln:

Du kannſt nicht ſchlafen, liebe Mutter Hilde⸗ gard, und willſt mich um dich haben. Soll ich mit dir beten, oder dir eine ſchöne Legende erzählen?