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Die Priorin küßte ſtatt der Antwort Manue⸗ la's Stirn, indem ſie den Blick flehend aufwärts hob, als fehle ihr noch immer die nöthige Faſ⸗ ſung. Dann ließ ſie ſich in einen Lehnſtuhl ſin⸗ ken und zog Manuela auf den Schemel zu ihren Füßen nieder.
Das zarte Kind ſah lächelnd, ahnungslos zu ihr auf und ſchmiegte liebevoll ſein Haupt an ihre Seite an.
Die Priorin legte ihre Hand auf das weiße Tuch, das Manuela's goldene Haare barg, und ſagte, etwas zu ihr niedergebeugt, mit ſanftem, doch ernſtem Tone:
„Ich habe Wichtiges mit dir zu reden, liebes Kind, über Dinge aus der Welt, die leider auch in dein ſo ſorglich gehütet Leben eindringen. Nur ungern mache ich dich damit bekannt, da ich weiß, wie es deine reine Seele peinlich berühren wird. Aber es muß ſein, Manuela. Siehe es als eine höhere Prüfung an und bewahre dir die Kraft deines frommen Herzens, damit der heilige Frie⸗ den deines Lebens nur eine ſchnell vorübergehende Störung erleide.“
„Was kannſt du nur meinen?“ fragte Ma⸗
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