Teil eines Werkes 
2. Band (1862)
Entstehung
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ich auch keinen Anſtand, als Freund und Künſt⸗ ler mich mit ihr zu verbinden, und dies um ſo weniger, als ich überzeugt war, daß die Schmach, die man an ihre Perſon knüpfte, ſie in der Welt ver⸗ folgen würde, bis die Kunſt ihren Namen ge⸗ adelt und ſie in dieſem höhern, geiſtigen Streben allein wieder ganz erlöſchen könne. Es iſt leider in der Welt ſo, daß der Ruf einer Frau, ein⸗ mal angetaſtet, ſelbſt durch das reinſte Leben nicht ganz wieder gereinigt wird. Wir Männer han⸗ deln darin viel zu gewiſſenlos und geben oft für den augenblicklichen Gewinn ein ſchönes Leben preis, und machen uns nicht einmal einen Vorwurf daraus, und ſelbſt die Ehe iſt nicht immer das Mittel, den Flecken abzuwaſchen, den wir verſchuldet. Ein berühmter Name verwiſcht leichter ſolche Spuren, wenn ihn das Weib wirklich verdient. Vergißt man ſie auch nicht ganz wird ſie doch entſchuldigt, und ſie muß es wenigſtens nicht ſo empfinden, wie es ſonſt nur zu oft in der härteſten Weiſe geſchieht. Sie ſtellt ſich gleich⸗ ſam über die Verhältniſſe, in denen man kein Abweichen von der Sitte und der Moral dul⸗ det, und man bewundert an ihr, als Genialilät,