200
was man ſonſt tadelnswürdig findet.— Wir Künſtler und ſogenannte Genies ſündigen leider zu viel auf dieſe Nachſicht,— allein bei einer wirklich höher getragenen Seele iſt dies nicht zu befürchten; und ein berühmter Name ſoll Ella nur vor dem Miſere eines Lebens ſchützen— das ſie zum Kind gewiſſenloſer Eltern gemacht, und ihr auch diejenige Freiheit geben, die eine Künſtlernatur bedarf.“
„Möge Ella ein ungetrübtes Glück darin finden! Bleiben ſie ihr eine feſte Stütze, Lorenzo!“ rief Edgar bewegt, und ſeine Gedanken eilten zu Wilhelmine und jener Stunde, in der auch ihr, der Heimathloſen, durch ſeine Schuld Ehre und Glück ſo leicht für immer hätte dahin gehen können. Mit recht ſchmerzlichem Vorwurf dachte er ihrer, doch ſchon zog ihn Lorenzo wieder in den Kreis der Freunde, die in ihrer Heiter⸗ keit ſie kaum vermißt hatten. Nur Ella's Auge ſchweifte anhaltend in den mondbeglänzten Gar⸗ ten hinaus, und ſie fühlte, daß es gut ſei, daß Edgar ſcheide, ſolle nicht eine Schwäche ihres Herzens ſie in ihren Kunſtſtudien ſtören. Als Lo⸗ renzo mit Edgar wieder eintrat, ſprach er mit


