Teil eines Werkes 
2. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

132*

Es durchzog ſie oft mitten in ihren Triumphen das wehmüthige Gefühl, daß, ſo ſchöne Stunden auch ein Künſtlerleben in ſich ſchließe, doch jenes hohe Glück nicht in ihm liege, von dem ein voller Erſatz für eine vermißte Heimath und Liebe zu hoffen ſei. Sie ſagte ſich wohl, die Bühne ſei ihre Heimath geworden, und in der Kunſt liege das höchſte Glück ihres Lebens dennoch aber ward ihr Herz nicht ganz befriedigt dadurch, wenig⸗ ſtens jetzt noch nicht. Sie hoffte von der Zu⸗ kunft noch immer dies höchſte Glück, und wenn Stunden kamen, in denen ihr Herz in ungeſtillter Sehnſucht ſchlug, kehrte es in der kleinen Kloſter⸗ zelle ein, die Manuela umſchloß, das liebe, hei⸗ lige Kloſterkind!

Wie gerne hätte ſie noch einmal eine jener Stunden mit ihr verlebt, in der das liebevolle Herz ſo warm und offen ihr entgegen ſchlug. Sie machte ſich Vorwürfe, daß ſie oft unwahr gegen Manuela geweſen, und ſie war überzeugt, trotz den Verſchirdenheiten ihres jetzigen Lebens könnte ſie das nun nimmer ſein, und Manvela müßte klar

in ihrer Seele leſen und ſie dennoch lieben. Sie

gedachte jetzt viel öfter der Freundin im Kloſter,