Teil eines Werkes 
2. Band (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

171

für die Kunſt darin lag. Das Intereſſe, das man an ihr, der Schauſpielerin, nahm, war von jenem Egoismus begleitet, der ſich daran vergnügt, ſeinen kleinen Götzen mit buntem Flitterwerk herauszuputzen, um ſich langweilige Stunden mit ſeinem Anblick zu vertreiben.

Ein höheres Kunſtintereſſe entdeckte Wilhel⸗ minens ſcharfer Blick nirgends, wenn auch in den Kreiſen, die ſie beſuchte, darüber hin und her geſprochen wurde, geſchah es eben nur, um ſich einmal eine Stunde beim Thee äſthetiſch zu unterhalten. Selbſt unter den Trägern ihrer Kunſt fand ſie wenig wahre Begeiſterung. Da⸗ gegen im Familienleben derſelben häufig eine Anhänglichkeit und Gemüthlichkeit, die ihr wohl⸗ that, und die ſie nur ſelten mehr ſchmerzlich be⸗ rührte, da ſie das Gefühl ihrer Verlaſſenheit bei Pauli faſt ganz überwunden hatte. Doch auch jene Gewohnheiten, welche die Künſtler mit der Freiheit ihres Standes und der Unſtetigkeit ihres Lebens rechtfertigen, lernte ſie kennen, und ſie ſtimmten nicht mit der ſchönen Freiheit, von der ſie einſt in der Zauberwelt des Theaters ge⸗ träumt.